Zeitgenössische Kunst aus dem Quelle-Katalog

26. Juli 2004, 19:36
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Versandhaus will mit Holdhaus-Drucken "zeitgeistiger" sein - Kunsthallenchef Matt: "Kommerz"

Wien - "Die Quelle trat vor rund sechzig Jahren an, um den Luxus zu demokratisieren", sagte Marketingleiter Horst Harbauer vom Versandhaus Quelle Österreich bei einem Pressegespräch im Atelier Holdhaus in Wien. Anlass war die Präsentation jenes Acryl-Bildes "Wasserformation 4" von Maler Rudi Holdhaus, das ab sofort als handsignierter Kunstdruck in 45facher Auflage um 145 Euro beim Quelle-Versand zu bestellen ist. Hintergrund des "Pilotprojektes" ist ein Imagewandel des Unternehmens in Richtung "zeitgeistiger", so Harbauer.

Und gemäß dem traditionellen Motto passe es daher gut, auch "Kunst zu demokratisieren", wobei man bei Quelle Wert darauf gelegt habe, das Werk eines anerkannten zeitgenössischen Künstlers zu vertreiben, und nicht "irgendein Wald- und Wiesenwerk, das wahrscheinlich den Geschmack der Masse besser getroffen hätte". Im Katalog selbst, der schon Ende Juni per Post an "jeden zweiten Haushalt" (Harbauer) geschickt wurde, ist das auch per Telefon und Internet zu bestellende Angebot allerdings nicht zu finden, sondern in Form eines beigelegten Folders. Harbauer: "Das wollten wir absichtlich so machen, um eine klare Trennung zu demonstrieren".

Fortsetzung möglich

Die 45 Kunstdrucke sind nach Angaben Harbauers bereits alle bestellt, und werden in den nächsten zwei Wochen auch bei den künftigen Besitzern eintreffen. Wer jetzt noch einen Holdhaus per Quelle beziehen möchte, kann nur mehr ein Poster um 14,50 Euro kaufen, das es in 1000facher Auflage gibt. Gespannt ist man bei Quelle auf den Rücklauf, denn "aus dem Feedback" will man erkennen, ob das Projekt künftig mit anderen Künstlern fortgesetzt werden soll. Die Auflage des jetzigen Holdhaus-Kunstdruckes soll aber "auf keinen Fall erhöht werden", so Harbauer. Als sehr "bestärkend" habe man auch eine ähnliche Aktion bei der deutschen Supermarktkette Aldi empfunden, die im Vorjahr quasi als Trendsetter fungierte und 20.000 Druckgrafiken von Felix Droese um 12,99 Euro verkauft hatte.

Auf Holdhaus sei die Wahl auch deshalb gefallen, weil der Name "Quelle" mit Wasser zu tun habe, das den Wiener Künstler thematisch schon lange beschäftigt. Holdhaus: "Der Maler braucht es für die Farben und der Mensch zum Leben". "Wasserformation 4" stammt aus dem 1998 präsentierten Zyklus "Wasserformation". Das Original, ein Öl Acryl auf Holz im Wert von rund 10.000 Euro, ist im Besitz von Quelle und wird im Rahmen der "Licht ins Dunkel"-Aktion 2004 im Wiener Rathaus Adventkalender gezeigt und anschließend versteigert. Holdhaus ist von dieser Partnerschaft zwischen Kunst und Wirtschaft sehr angetan: "Kunst ist nicht abgehoben vom Leben, es ist ein Fehler vieler Kollegen, das so zu sehen. Ein Bild ist ein Spiegel der Menschheit, und alle sollen es sehen, egal, von wem das Bild stammt".

"Das hat mit Kunst nichts zu tun"

In Künstlerkreisen wird das Projekt kontrovers aufgenommen. Gerald Matt, Kunsthallenchef, meinte darüber: "Das hat mit Kunst nichts zu tun, sondern mit Kommerz. Über Vertriebswege von Kunstpostkarten mache ich mir auch keine Gedanken." (APA)

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