Pakistan: Neuer Premier bekennt sich zu Frieden mit Indien

23. Juli 2004, 12:29
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Kaschmir im Zentrum des Streits der beiden Atommächte

Islamabad - Pakistans neuer Premierminister Chaudhry Shujaat Hussain hat gelobt, eine Friedenspolitik gegenüber dem Nachbarland Indien zu verfolgen. Der "Regierungschef auf Zeit" - der von Staatschef General Pervez Musharraf nur für wenige Wochen berufen worden ist - sagte während eines Außenministertreffens der Südasiatischen Vereinigung für Regionale Zusammenarbeit (SAARC) in Islamabad am Dienstag, dass Pakistan unter der Führung Musharrafs einen bedeutsamen Versuch unternehme, alle Unstimmigkeiten und Streitfragen mit Indien beizulegen, auch diejenigen, die Jammu und Kaschmir beträfen. Im Zentrum der Rivalität mit Indien steht der seit Jahrzehnten ungelöste Kaschmir-Konflikt.

"Ich möchte allen Mitgliedern der SAARC und der Welt versichern, dass Pakistan verpflichtet ist, Frieden mit Indien zu suchen", sagte Hussain bei informellen Gesprächen zwischen pakistanischen und indischen Diplomaten am Rande des Ministertreffens. Der SAARC gehören Pakistan, Indien, Sri Lanka, Bangladesch, Nepal, Bhutan und die Malediven an. Musharraf hatte sich 1999 an die Macht geputscht und in einem umstrittenen Plebiszit als Präsident bestätigen lassen. Unmittelbar vor den auf Wunsch der USA durchgeführten Parlamentswahlen 2002 verfügte er 29 Verfassungsänderungen, um seine Macht auszubauen und dem Militär dauerhaften Einfluss auf die Politik zu sichern. Er führte einen Nationalen Sicherheitsrat ein, der die Arbeit der Regierung überwacht.

Schlüssel für wirtschaftliche Entwicklung

Pakistans Außenminister Khursheed Mahmood Kasuri sagte, der Frieden mit Indien sei der Schlüssel, um das ökonomische Potenzial der Region zu entfalten. Die Vision, dass Südasien den asiatischen "Mainstream" mit einem schnellen Wirtschaftswachstum und Entwicklung einholen könne, sei nur mit Frieden erreichbar, so Kasuri. Es wird erwartet, dass Außenminister Kasuri sich am Mittwoch mit seinem indischen Amtskollegen Natwar Singh zu weiteren Gesprächen trifft. Gegen Ende der Woche werde auch Singh mit Musharraf zusammentreffen.

Pakistan und Indien führten insgesamt drei Kriege, darunter zwei um Kaschmir, das beide Länder für sich beanspruchen. Ein vierter Konflikt wäre beinahe im Jahr 2002 ausgebrochen, nachdem aus Pakistan heraus operierende Kämpfer das indische Parlament angriffen. Insgesamt starben Zehntausende Menschen seit Beginn der Rebellion militanter Muslime vor 15 Jahren im indischen Teil Kaschmirs.

Ein früherer Polizeibeamter und vier Mitglieder seiner Familie sind unterdessen bei einem nächtlichen Überfall auf ein Wohnhaus im indischen Teil Kaschmirs getötet worden. Die Angreifer schnitten ihren Opfern die Kehle durch, wie die Polizei am Dienstag mitteilte. Ums Leben kamen neben Abdul Gani, seine Frau, sein Sohn, seine Schwiegertochter und sein Enkel. Die Behörden machten für die Bluttat islamische Separatisten verantwortlich. (APA/Reuters)

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