Über das (un)sichere, neue "Schinztel"

15. Dezember 2004, 18:15
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Experten äussern im SchülerStandard-Gespräch ihre Meinung zur genetischen Veränderung von Nahrungs-und Futtermitteln

"Die gentechnische Veränderung von Lebensmitteln stellt eine unzureichend erforschte Risikotechnologie dar", lehnt Susanne Frommwald, Gentechnikexpertin von Greenpeace, Genfood ab. Josef Glößl, Vorstand des Zentrums für Angewandte Genetik der Boku Wien, hält Genfood hingegen für die sichersten, weil besterforschten, Lebensmittel. Sie würden vor ihrer Marktfreigabe sorgfältiger überprüft als "konventionelle" Nahrung.

"Das oft geforderte Nullrisiko, das gibt es nirgends", argumentiert Glößl. Er weist darauf hin, dass etwa Risiken für Nahrungsmittelallergien bei unveränderten Lebensmitteln genauso gegeben sind. Eine Erhöhung derselben durch Genmanipulation sei wissenschaftlich nicht belegt.

Noch keine Studien

Dem hält Frommwald Experimente mit Ratten entgegen, die nach der Fütterung mit gentechnisch veränderten Futtermitteln Hinweise auf klare Anomalien wie etwa Blutbildveränderungen geliefert haben. Sie räumt aber gleichzeitig ein, dass derartige Auswirkungen auf den menschlichen Körper durch keine Studien explizit belegt sind. "Wir wollen keine Versuchskaninchen sein", bekräftigt sie ihre Ansicht. Tatsache ist, dass in Österreich derzeit kein Genfood auf dem Markt ist. Aufgrund der breiten Ablehnung der Konsumenten sahen sich Handel und Lebensmittelproduzenten dazu gezwungen, auf derartige Produkte zu verzichten.

Genfreies Gütesiegel

Einer der Hauptkritikpunkte von Greenpeace ist jedoch der häufige Einsatz gentechnisch veränderter Futtermittel in der österreichischen Landwirtschaft. Für die Endprodukte der damit gefütterten Tiere besteht hierbei keine Kennzeichnungspflicht. Die Umweltorganisation steht derzeit in Verhandlung mit der AMA (Agrarmarkt Austria), deren Gütesiegel, das zwar österreichische, aber nicht gentechnikfreie Produktion garantiert, in Zukunft für beides bürgen soll.

Stephan Mikinovic, Geschäftsführer der Marketing abteilung bei AMA, verweist auf damit verbundene Mehrkosten für die Landwirtschaft. Der Konsument müsste künftig bereit sein, für naturbelassene Lebensmittel, wie sie etwa durch das AMA-Biozeichen gekennzeichnet werden, mehr Geld auszugeben.

Von Agnes Engleder, Florian Dandler und Johanna Jaufer
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    bild: andreas d
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