Implantationskammern ersetzen Diabetikerspritzen

26. Juli 2004, 12:02
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Angst vor Nadeln verzögert häufig die notwendige Insulintherapie

Göttingen - In Zukunft sollen Implantationskammern für Insulin produzierende Zellen Spritzen für Diabetiker ersetzen. Prototypen solcher Implantationskammern sind von der Arbeitsgemeinschaft industrieller Forschungsvereinigungen "Otto von Guericke" (AiF) vorgestellt worden.

Die meisten Patienten mit der chronischen Stoffwechselerkrankung Diabetes mellitus müssen ihren erhöhten Blutzuckerspiegel durch die Injektion von Insulin ausgleichen, in der Regel mehrfach täglich. Wenn die Patienten auf die Zufuhr von Insulin vergessen, drohen schwere gesundheitliche Schäden wie Schlaganfall, Nierenversagen, Nervenschädigungen und Erblinden. Die regelmäßige Blutzuckermessung und die ständigen darauf abzustimmenden Injektionen bedeuten für die Patienten eine große Belastung. Häufig verzögert die Angst vor Spritzen den Beginn einer notwendigen Insulintherapie und begünstigt die Entwicklung von Folgeschäden.

Nicht-Beta-Zelllinie soll Insulin freisetzen

Das AiF unterstützt das Projekt des Göttinger Unternehmens In Vitro Systems & Services und des Unternehmens KEK. Als besonders geeignet für die Implantationskammer hat sich eine genetisch modifizierte Nicht-Beta-Zelllinie erwiesen, die in der Lage ist, Insulin freizusetzen. Die Ursache für Diabetes liegt meist in der Schädigung der Beta-Zellen in der Bauchspeicheldrüse, in denen das körpereigene Insulin gebildet wird.

Die Kammer, die in den Bauchraum eingesetzt werden soll, verhindert, dass die Zellen in den Organismus des Patienten gelangen und schützt sie so vor Abwehrreaktionen des Immunsystems. Nährstoffe und Insulin können die Kammerbegrenzung jedoch passieren. Diese Passagefähigkeit bleibt nach den ersten Experimenten in vitro für mehrere Wochen erhalten. Die Aussichten auf eine Verlängerung dieser Frist sind viel versprechend. (pte)

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