Schönborn spricht von "seltener" Maßnahme

21. Juli 2004, 10:37
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Rom habe schnell gehandelt - Kirchenintern wird die Ernennung Küngs als "Paukenschlag" gewertet

Kirchenintern wird die Ernennung Küngs zum Apostolischen Visitator als "Paukenschlag" gewertet. Mit der Einsetzung von Bischof Klaus Küng als Visitator ist auch das Mandat der von Bischof Kurt Krenn benannten internen Untersuchungskommission erloschen.

Kardinal Christoph Schönborn verwies in einer ersten Stellungnahme darauf, dass Rom "schnell gehandelt" habe. Der Papst habe unmittelbar nach seiner Rückkehr aus dem Aostatal eine "außergewöhnliche Maßnahme" gesetzt. In den letzten Jahrzehnten war in Europa nie die Einsetzung eines Apostolischen Visitators erfolgt. Bischof Küng wird seine Tätigkeit bereits am Dienstagabend aufnehmen.

"Seltene" Maßnahme

Für Schönborn hat der Papst habe mit der Ernennung eines Apostolischen Visitators für die gesamte Diözese St. Pölten eine "außergewöhnliche" und seltene Maßnahme getroffen. Der Visitator habe die Aufgabe, "sich möglichst zügig über alle Vorgänge zu informieren und darauf zu schauen, dass die Ordnung der Weltkirche in der Diözese und besonders auch im Seminar respektiert und wieder eingeführt wird". Mit der Bestellung des Visitators erlösche auch die von Bischof Krenn ernannte Untersuchungs-Kommission für das Priesterseminar, denn Bischof Küng habe als Apostolischer Visitator für die Diözese auch Sondervollmachten für das Priesterseminar bekommen.

Während der Zeit der Visitation müssten "alle großen Entscheidungen" mit dem Visitator abgesprochen werden, sagte der Vorsitzende der Österreichischen Bischofskonferenz. Auch öffentliche Stellungnahmen seien mit dem Visitator abzuklären. Bischof Küng habe also "weit gehende Befugnisse während der Visitation. Ich denke, das ist wichtig, damit er in Ruhe und entschieden arbeiten kann", sagte der Kardinal.

Visitator soll "Ordnung der Weltkirche" in St. Pölten wieder herstellen

Die jetzt von Papst getroffene Maßnahme sei "ein wichtiger Schritt hin zu einer Sanierung der Situation", so der Wiener Erzbischof: "Wir wissen inzwischen alle und spüren es schmerzlich, dass eine solche Sanierung notwendig ist. Es sind viele Menschen verärgert, enttäuscht, traurig oder zornig". Kardinal Schönborn hob hervor, die österreichische Bischöfe und speziell er als Metropolit der Wiener Kirchenprovinz, zu der auch die Diözese St. Pölten gehört, hätten in der Causa St. Pölten sofort gehandelt. Man habe das nicht in der Öffentlichkeit getan, aber man habe "den Papst über die Situation gründlich informiert, und er hat auch in möglichst kurzer Zeit gehandelt". Er habe seinen Frankreich-Aufenthalt abgebrochen und sei nach Österreich zurückgekommen, weil die Lage es erfordert habe, betonte der Kardinal.

Küng eine "sehr hilfreiche Entscheidung"

Bischof Küng werde "möglichst zügig und entschieden allen Fragen und Vorwürfen, allen Anliegen, die in der Diözese vorhanden sind, nachgehen", unterstrich Kardinal Schönborn. Wie lange die Untersuchungen dauern werden, lasse sich aber derzeit noch nicht absehen. "Wir werden Bischof Küng unterstützen, und er wird viel Unterstützung in der Diözese selber finden", so der Vorsitzende der Bischofskonferenz. Nach dem Ende der Visitation werde Bischof Küng dem Papst "sehr genau berichten" und seine Vorschläge unterbreiten. Dann sei es Sache des Papstes, die nächsten Schritte zu setzen.

Dass Bischof Küng mit der Visitation beauftragt wurde, ist laut Schönborn eine "sehr hilfreiche" Entscheidung. Der Vorarlberger Küng sei "mit der gewissen alemannischen Nüchternheit und Effizienz ausgerüstet". Schönborn: "Er ist sicher nicht Partei in der Sache, er kennt die Verhältnisse, ist aber doch weit genug entfernt, um Objektivität zu garantieren." (APA)

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    Kardinal Christoph Schönborn

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