Akademische Patientenversorgung an der Medizinuni Graz

26. Juli 2004, 12:02
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Ab Herbst wird ein Studium der Pflegewissenschaften angeboten

Graz - Wissenschaftlich gestützte Konzepte der ambulanten und stationären Pflege werden in der Steiermark groß geschrieben: Ab Herbst 2004 bietet die Medizinuniversität Graz ein reguläres Studium der Pflegewissenschaften an. Damit gehört sie neben der Tiroler Privatuniversität UMIT zum einzigen österreichischen Anbieter einer derartigen Studienmöglichkeit. "Wir rechnen mit 50 bis 100 Anfängern für das Bakkalaureat", so der Vizerektor für Studium und Lehre, Gilbert Reibnegger.

In Österreich ist man auf dem Gebiet der Pflegewissenschaft im internationalen Vergleich spät dran: Während zum Beispiel in Großbritannien, Finnland und Spanien schon seit zwanzig Jahren Pflegepersonal an Universität ausgebildet wird, sind es nun die Grazer Medizinuniversität und die in Hall bei Tirol beheimatete Private Universität für Medizinischen Informatik und Technik (UMIT), die im Herbst mit einem entsprechenden Studium beginnen. In Wien - wo es zur Zeit nur ein individuelles Diplomstudium für Pflegewissenschaften gibt - will man im Herbst 2005 so weit sein. Möglich wurde das Studium in Graz durch eine Anschubfinanzierung des Landes Steiermark in der Höhe von 1,3 Millionen Euro.

Multidisziplinärer Ansatz

Das Studium wurde an der Med-Uni eingerichtet, in der Durchführung kooperiert man aber mit der Uni Graz. Es sollen im Sinne eines multidisziplinären Ansatzes die pflegebezogene Kenntnisse der Medizin, Human- und Sozialwissenschaften, Erziehungs- und Bildungswissenschaften, der Psychologie und der Betriebswissenschaften zusammengebracht werden.

"Das auf sechs Semester angelegte Studium will durch eine pflege- und gesundheitswisenschaftliche Grundausbildung auf qualifizierte Tätigkeiten in unterschiedlichen Berufsfeldern im Gesundheitswesen vorbereiten. Von verwandten FH-Studiengängen unterscheidet es sich durch das Ausmaß des theoretischen Grundlagenwissens und der Vermittlung von Forschungsmethoden", betonte Reibnegger.

Pflege als Wissenschaftsdisziplin

So sollen die Absolventen die Pflege auch als Wissenschaftsdisziplin begreifen. Sie sollen aber auch spezifische Beratungsbedürfnisse erkennen, Maßnahmen zur Gesundheitsförderung und Rehabilitation gezielt einsetzen und qualitätssichernde Maßnahmen planen und umsetzen können, so der Vizerektor. Während des Studiums müssen Praktika im Umfang von zwanzig Wochen absolviert werden. Abgeschlossen wird mit dem Bakkalaureus der Pflegewissenschaft (Bachelor in Nursing Sciences).

Vorgesehen sind auch ein anschließendes viersemestriges Magisterstudium mit den Hauptrichtungen Lehre, Forschung sowie Management, als auch ein Doktoratstudium. Spezielles Gewicht haben Themenbereiche wie ambulante und stationäre Pflege, Leben mit chronischer Krankheit und Förderung des Selbstmanagement, Rehabilitation, Prävention der Pflegebedürftigkeit, Stärkung pflegender Angehöriger und Stärkung der Gesundheitsförderung. (APA)

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