EU-Kommission billigt Sony-BMG-Fusion

30. Juli 2004, 14:41
posten

Der weltweit zweitgrößte Musikproduzent entsteht - Andrew Lack wird neue Vorstandsvorsitzender - Mit Grafik

Die EU-Kommission hat grünes Licht für die Fusion der Musiksparten des japanischen Elektronikkonzerns Sony und dem deutschen Medienunternehmen Bertelsmann (Musiksparte BMG) gegeben. Mit Sony BMG, einem 50:50-Joint Venture, entsteht damit hinter Universal Music der zweitgrößte Musikkonzern der Welt, global sinkt damit die Zahl der Großkonzerne von fünf auf vier. Die Gefahr einer Preisabsprache bestehe laut Brüsseler Wettbewerbshüter aber nicht.

Für Bertelsmann-Chef Gunter Thielen ist mit der Fusion die Zukunft des Konzerns im Musikgeschäft trotz Internet-Tauschbörsen gesichert. Im vergangenen Jahr sanken die Umsätze in der weltweiten Tonträgerindustrie um mehr als sieben Prozent auf 32 Milliarden Dollar (25,8 Milliarden Euro).

Sparten für das Tonträgergeschäft verschmolzen

Bei Sony BMG werden die Sparten für das Tonträgergeschäft verschmolzen. Die Musikverlage (Music Publishing), die Auslieferung und die CD- und DVD-Produktion beider Mutterfirmen sind nicht von der Fusion betroffen. Auch das japanische Musikgeschäft von Sony wird in das fusionierte Unternehmen nicht eingebracht. Die Unternehmen erhoffen sich durch die Fusion jährliche Einsparungen von 200 bis 300 Millionen Euro.

2000 Arbeitsplätze gefährdet

Sony BMG kommt gemeinsam mit 9.000 Mitarbeitern auf einen Umsatz von bis zu fünf Milliarden Dollar. Branchenbeobachter gehen aber davon aus, dass durch die Fusion bis zu 2.000 Jobs verloren gehen. Das wollten die Unternehmen nicht bestätigen, laut Thielen sei aber mit "schmerzhaften Einschnitten" zu rechnen.

Hauptsitz des Joint Ventures ist New York, zu den unter Vertrag stehenden Künstlern gehören klingende Namen wie David Bowie, Anastacia und Britney Spears. Im Juni hatte BMG angekündigt, sich von 60 Prozent seiner Künstler in Deutschland zu trennen. BMG wolle keine "One-Hit-Wonder" mehr, so das Unternehmen.

Sony ist bei der Fusion der größere der beiden Partner, BMG hat nach Brancheneinschätzung mehr Künstler mit dem größerem Potenzial. Die Japaner sind schon jetzt Nummer zwei auf dem Weltmarkt. Sie werden mit Andrew Lack auch den neuen Vorstandsvorsitzenden stellen. BMG-Chef Rolf Schmidt-Holtz zieht sich auf die Position des Chairmans zurück. Der Fusionsprozess soll nach Angaben von Schmidt-Holtz so schnell wie möglich abgeschlossen werden. "Schneller als ein Jahr geht nicht", schränkte er ein.

Lack kam über das Fernsehgeschäft zur Musik

Der bisherige Chief Executive Officer der Sony Musiksparte Sony Music Entertainment, Andrew Lack, wird neuer Vorstandschef des vereinten Unternehmens Sony BMG. Sein Gegenüber bei der Bertelsmann Music Group, Rolf Schmidt-Holtz, will als Chairman in einer Aufsichtsposition arbeiten.

Wie Schmidt-Holtz kam auch Lack über das Fernsehgeschäft zur Musik. Seit 2001 war der 57 Jahre alte Vater dreier Kinder Präsident und Chief Operating Officer des US-Fernsehsenders NBC. Zuvor war Lack acht Jahre lang Präsident der NBC-Nachrichtensparte. In dieser Zeit machte er NBC zum meistgesehenen Nachrichtensender in der Welt. (APA/dpa/Reuters)

  • Bild nicht mehr verfügbar
Share if you care.