Barbie ist die Schönste!

22. Juli 2004, 17:40
13 Postings

Von den vielen guten und wunderbaren Fischen ist die Rotbarbe vielleicht der wunder- barste und beste. Eine Liebeserklärung

Die Vorstellung, dass die so genannten Felsenfische irgendwie nach mehr schmecken als solche, die in Schwärmen oder singulär durchs offene Meer stieben, ist nachvollziehbar, finde ich. Schließlich essen sie nicht nur ödes Plankton und Fische, die zufällig kleiner sind als sie selbst, sondern knabbern an den Muscheln und Krebsen, an den Schnecken und den Tintenfischen, die sich da in den felsigen Abhängen zur Tiefe tummeln, und das gibt dann natürlich aromatisch schon ordentlich was her. Auf jeden Fall sehen Felsenfische immer irgendwie interessanter aus, Drachenkopf, Knurrhahn, sag ich da nur, und auch die wunderschöne Rotbarbe sieht – wenngleich ebenmäßig und gar nicht so skurril wie die oben genannten – einfach bezaubernd aus: „klassische“ Figur mit leichten Design-Akzenten bei der Linie vom Unterbauch zum Schwanz, perfekt positioniertes Maul, intelligent, eloquent, sympathisch, wunderschöne und riesengroße Augen, in die man sich verlieben könnte. Rotbarben sind einfach wunderschön.

Ganz zu schweigen von der Farbe, silbrig rot, die sich erfreulicherweise auch beim Braten nicht in unansehnliches Braun verwandelt, und die einen nachgerade dazu auffordert, sich eine schöne Kombination, etwa mit Gemüse oder einem farbenfrohen Risotto, auszudenken. und dann der Geschmack. Rotbarben schmecken immer besonders, erdiger, meeriger, intensiver, nicht zuletzt, weil dieser freundliche Fisch nämlich keine Gallenblase besitzt, weshalb die Leber auch gleich drin bleiben kann. Na und das führt dann halt bei diesem ohnehin schon wunderbar „meerigen“ Geschmack noch zu einer zusätzlichen Komponente. Okay, es mag sie deshalb nicht jeder, aber das ist für eine Delikatesse ja nur recht und billig. mein Lieblings-Fischhändler vom Naschmarkt hatte unlängst welche aus dem französischen Atlantik – bist du deppert, waren die schön. Und groß. Ich musste deshalb also gleich drei nehmen, briet sie bei mittelstarker Hitze in der Grill-Pfanne (im Rohr oder in der Folie werden sie auch schön, aber Barbie kommt gebraten einfach am besten, finde ich) und verzehrte alle drei. Ja, leichte Eiweiß-Vergiftung, aber egal.

Rotbarbe schmeckt – ähnlich den Sardinen – einfach nach schönem Urlaub an einem wilden, kühlen Meer mit ordentlich Wellengang, Portugal, Galicien, Südfrankreich, will sich nicht mit Sauce oder Sößchen verkleiden, trägt am liebsten Olivenöl und Zitrone, dazu Weißbrot oder Erdäpfeln, löst sich so schön von den Gräten, duftet so wunderbar, widersteht mit kerniger Struktur dem Biss, Felsenfisch halt. Ich liebe sie, die Rotbarbe.

Von Florian Holzer
  • Artikelbild
Share if you care.