"Unterlagen beweisen Unterstützung arabischer Milizen in Darfur"

21. Juli 2004, 19:04
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Human Rights Watch bezichtigt sudanesische Regierung der Lüge

New York - Die sudanesische Regierung hat nach Erkenntnissen einer Menschenrechtsorganisation arabische Milizen zur Durchführung so genannter ethnischer Säuberungen in der Provinz Darfur bewaffnet, unterstützt und politisch gedeckt. Die Organisation Human Rights Watch berief sich auf vier Regierungsdokumente aus dem Zeitraum von November 2003 bis März 2004. Sie habe die Unterlagen aus der Zivilverwaltung in Darfur erhalten, erklärte der Direktor von Human Rights Watch, Kenneth Roth, am Montag bei einer Pressekonferenz in New York.

Die Unterlagen bewiesen, dass die Regierung gelogen habe, indem sie gesagt habe, sie habe keine Kontrolle über die Janjawid-Milizen, die die schwarzafrikanische Bevölkerung in Darfur terrorisieren. Eines der Dokumente beschreibe, wie der ranghöchste Beamte in Süddarfur, Gouverneur Adam Hamid Mussa, und ein stellvertretender Innenminister am 18. November 2003 ein Lager der Janjawid in Qardud besucht und um die Rekrutierung von 300 bewaffneten Reitern für Khartum gebeten hätten.

Es sei skandalös, dass es der UNO-Sicherheitsrat bisher nicht für nötig gehalten habe, eine Resolution speziell zu Darfur zu verabschieden, sagte Roth. Er forderte die Entsendung einer Militärtruppe wie der aus Australien, die 1999 die Massaker in Osttimor beendete. "Der Druck auf Khartum muss ähnlich dem sein, der auf Jakarta ausgeübt wurde", erklärte Roth.

UN-Generalsekretär Kofi Annan, der am Montag von einer Reise unter anderem nach Darfur zurückkehrte, erklärte, Mitarbeiter von Hilfsorganisationen erhielten inzwischen besseren Zugang zu den Vertriebenen. Auf die Frage, ob der Sicherheitsrat eine Resolution zu Darfur verabschieden sollte, sagte er, es sei wichtig, dass die internationale Gemeinschaft dem Sudan klarmache, dass sie erwarte, dass die Regierung ihre Zusagen einhalte.

Die sudanesische Regierung wird von der internationalen Gemeinschaft seit Wochen unter Druck gesetzt, gegen die Übergriffe von Janjawid-Milizen auf Schwarzafrikaner vorzugehen. Menschenrechtsorganisationen werfen Khartum vor, die Angriffe mit Hubschraubern unterstützt zu haben. Trotz der Zusicherung der Regierung, die Bevölkerung zu schützen, halten die Überfälle laut einem UN-Bericht an. Dem Konflikt in Darfur fielen seit Anfang vergangenen Jahres nach Schätzungen der Vereinten Nationen etwa 30.000 Menschen zum Opfer. Mehr als eine Million sind auf der Flucht, mehr als zwei Millionen dringend auf Hilfe angewiesen. (APA/AP)

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