Menschenrechtsorganisation für mehr UNO-Truppen für Kongo

23. Juli 2004, 15:12
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"Human Rights Watch" zeigt sich tief besorgt über Menschenrechtsverletzungen

Kinshasa - Die Vereinten Nationen sollen mehr Friedenstruppen in den Kongo schicken und eine politische Lösung für die Probleme des Landes finden. Sonst bestehe die Gefahr, dass das Land wieder im Krieg versinke, warnte die Menschenrechtsorganisation "Human Rights Watch." Die Organisation zeigte sich tief besorgt über die massiven Menschenrechtsverletzungen im zentralafrikanischen Land.

In einem am Montag vorliegenden offenen Brief an den Sicherheitsrat der Vereinten Nationen rief die Organisation die UNO-Truppen auf ihr Mandat wahrzunehmen und die kongolesischen Zivilisten vor Gewalt zu schützen. Ende Juli soll der UN-Sicherheitsrat darüber entscheiden, ob das UNO-Mandat für den Kongo erneuert wird. Die geringe Aufmerksamkeit der internationalen Gemeinschaft erhöhe die Herausforderung die auf das Land zu komme.

Die Unfähigkeit angemessen auf diese Herausforderungen zu reagieren, erhöhe nur die Chance auf einen Fehlschlag und die Rückkehr in den Kriegszustand, der auch die ganze zentralafrikanische Region destabilisieren könne, hieß es im Schreiben der Menschenrechtsgruppe.

Die Demokratische Republik Kongo versucht sich von einem fünf-jährigen Krieg zu erholen. Auf seinem Höhepunkt waren die Armeen von sechs Nachbarländern im Kongo involviert. Etwa drei Millionen Menschen starben vor allem infolge von Hungersnot und Krankheit.

Eine Übergangsregierung, die selbst tief gespalten ist, regiert das Land zumindest bis zu den Wahlen, die für das nächste Jahr anberaumt worden sind. Das Land hat zwei offensichtliche Umsturzversuche in der Hauptstadt Kinshasa und einen bewaffneten Aufstand im Osten des Landes erlebt.

Der Brief nennt mehrere Risikofaktoren für die Stabilität des Landes, darunter auch die schwerbewaffneten "Warlords", die wenig Loyalität gegenüber der Regierung verspürten. Weiteres Bedrohungspotenzial gehe von den Nachbarländern Ruanda und Uganda aus. Aus dem illegalen Abbau der natürlichen Ressourcen würden sich die "Warlords" des Landes finanzieren.

Die Vereinten Nationen hat 10.800 Blauhelme im Kongo stationiert, einem Land von der Größe Westeuropas und einer Bevölkerung von über 50 Millionen Einwohnern. Die Organisation "Human Rights Watch" fordert daher eine Angleichung der Truppenstärke an sowohl die Größe des Landes wie auch an das Ausmaß der Probleme.

Die Menschenrechtsgruppe weist in dem Schreiben besonders auf die Kämpfe hin, die in der Region um Bukavu im Osten des Kongo ausgebrochen seien. Dort gefährdeten Unsicherheit und Menschenrechtsverletzungen den Friedensprozess. Im Mai und Juni hätten sowohl Regierungs- wie auch regimekritische Truppen Kriegsverbrechen begangen. Dabei wären Zivilisten getötet und vergewaltigt worden. Unter den Vergewaltigungsopfern hätten sich auch Dreijährige befunden, schreibt Human Rights Watch in ihrem Juni-Bericht. (APA/Reuters)

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