Laser in der Lungenchirurgie als "Quantensprung"

23. Juli 2004, 21:23
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Für PatientInnen bedeutet die neue Methode vor allem eines: kürzere Zeit im Krankenhaus bleiben müssen

Wien - Weniger Blut- und Gewebeverluste, eine kürzere Erholungsphase nach der Operation und damit kürzere Krankenhaus-Aufenthalte - das sind die Vorteile der Entfernung von Lungenmetastasen durch den Neodym-Yag-Laser, der nach einer Erprobungsphase im Wiener Otto-Wagner-Spital auf der Baumgartner Höhe nun in den Volleinsatz kommt. "Wir sind die erste Lungenchirurgie, die diesen Laser, der in Deutschland entwickelt wurde, in Österreich einsetzt", sagte Primar Dr. Nestor Pridun.

100 Patienten wurden mit dem Laser, der selektiv ausschließlich Lungengewebe schneidet, bisher operiert - in allen Fällen erfolgreich, wie Oberarzt Dr. Peter Hollaus von der Lungenchirurgie im Otto-Wagner-Spital betonte. "Für die Thoraxchirurgie ist das neue Verfahren ein Quantensprung", sagte Hollaus.

Schonender Eingriff

Durch die neue Methode ist es möglich, Metastasen bzw. Krebsherde besonders schonend und sanft aus der Lunge zu entfernen. Der Operateur, der wie das gesamte OP-Team eine Schutzbrille trägt, schneidet mit dem rund 87.000 Euro teuren Laser die bösartige Geschwulst berührungsfrei direkt aus dem umgebenden Lungengewebe. Dieses wird durch die Hitzeentwicklung gleichzeitig "verschweißt". Hollaus: "Dadurch kommt es kaum zu Blutungen." Auch das Zusammenwachsen mit dem nicht verletzten Gewebe gehe schneller vonstatten als nach einem Schnitt mit dem Skalpell.

Bisher waren Lungenoperationen sehr aufwändige Eingriffe, bei denen viel Blut verloren ging. Die Geschwulste wurden mit so genannten Klammernahtgeräten aus der Lunge herausgeschnitten. Dabei verbleiben allerdings Metallklammern im Körper, die wegen der starken Vernarbung einen Zweiteingriff erschweren. Hollaus: "Teilweise musste man bei dieser Methode sogar einen ganzen Lungenflügel entfernen. Das lässt sich mit dem Laser vermeiden. Auch Zweit- oder Dritteingriffe sind bei der Laser-Methode leicht möglich."

... und sogar billiger

Laut Susanne Horacek, Pflegedienstleiterin der Lungenchirurgie am Otto-Wagner-Spital, ist die Laser-Methode nicht nur die schonendere, sondern auch die billigere Variante: "Sie kostet, nachdem der Laser angeschafft ist, um zwei Drittel weniger als eine herkömmliche Operation." Zum einen halbiere sich dadurch die Dauer des Krankenhaus-Aufenthalts auf fünf bis sechs Tage, weiters brauche man praktisch keine Blutkonserven und weniger Medikamente. "Der Laser benötigt nur noch die Energie aus der Steckdose." Die Einschulung am Neodym-Yag-Laser dauert laut Pridun eine oder maximal zwei Operationen, bei denen der "Laser-Neuling" dabei ist und dem Operateur über die Schulter schaut.

Lungenkrebs ist EU-weit der häufigste Krebs. In Österreich ist die Anzahl der Erkrankungen seit Beginn der neunziger Jahre leicht rückläufig. Bei Männern ist die Rate der Neuerkrankungen von 2.617 im Jahr 1990 auf 2.593 im Jahr 2000 gesunken, im selben Vergleichszeitraum stieg die Rate bei den Frauen von 886 auf 1.096. In Österreich sterben pro Jahr rund 3.300 Menschen an Lungenkrebs. (APA)

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