Frühe Gendiagnostik in die Verfassung

23. Juli 2004, 12:06
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Bioethikkommission veröffentlicht Bericht

Wien - In ihrem neuen, am Montag präsentierten Bericht, empfiehlt die Bioethikkommission der Bundesregierung die Zulassung der Präimplantationsdiagnostik (PID) unter bestimmten Umständen.

PID ist die genetische Untersuchung des Embryos bei der künstlichen Befruchtung vor der Einpflanzung in den Mutterleib. Bei chromosomatischen (in der Erbsubstanz der Eltern ablesbaren) Schäden, die den Tod des Embryos im Mutterleib oder den Tod des Neugeborenen zur Folge hätten, soll ein solcher Test gesetzlich zulässig sein.

Die Kommissionsmitglieder heben hervor, dass das Fortpflanzungsgesetz bereits "eine Untersuchung" bei "Defekten des Embryos, die mit einer Schwangerschaft nicht vereinbar sind", PID aber nicht ausdrücklich, erlaube. Ausdrücklich erlaubt seien Fruchtwasseruntersuchungen von der 12. bis 14. Schwangerschaftswoche - etwa bei Downsyndrom, das zu frühzeitigem Tod führen kann.

Die Kommission plädiert zwar für eine gesetzliche Verankerung von PID, wenn das Embryo genetisch keine Lebenschancen hätte. Sie stemmt sich aber gegen PID bei Chancen von verringerter Lebenserwartung. Damit soll "Dammbruch"-Ängsten entgegen gewirkt werden. Denn "Fruchtwasseruntersuchungen gibt es schon seit Jahren. Genetische Tests, um die Chancen auf frühzeitigen Tod auszuloten, gelten hingegen als Relativierung menschlichen Lebens", betont Kommissionspräsident Johannes Huber im STANDARD-Gespräch. Damit sei die Schwierigkeit ethisch vertretbarer Lösungen in der Bioethik illustriert.

Denn die Medizin gibt den Ton an, die Ethikkommission schätzt nur die Auswirkungen ihrer Errungenschaften auf die Gesellschaft ab. Eine Aufgabe ohne eindeutige Grundlagen: Allein vom Beginn des Lebens gibt es mehrere Definitionen. "Wir definieren den Beginn des Lebens daher mit dem frühesten Zeitpunkt, der Vereinigung von Ei- und Samenzelle", sagt Huber: Sein Schutz sei "sich entwickelnd". Wie praktikabel eine so breit gefasste Empfehlung ist, muss sich erst zeigen. (east/DER STANDARD, Print-Ausgabe, 20. 7. 2004)

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