Bush lässt Verbindung von Iran zum 11. September prüfen

20. Juli 2004, 21:58
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CIA-Chef John McLaughlin sieht aber keine Beweise - Teheran: Attentäter möglicherweise illegal eingereist

Washington - US-Präsident George W. Bush lässt untersuchen, ob der Iran möglicherweise in die Terroranschläge des 11. September 2001 verwickelt gewesen sein könnte. Seine Regierung arbeite sich durch die Fakten, um herauszufinden, ob es eine solche Verbindung gebe, sagte Bush am Montag in Washington. Der amtierende Direktor des US-Geheimdienstes CIA, John McLaughlin, hatte allerdings am Wochenende gesagt, dass es keine Beweise für eine solche Verbindung gebe. Laut Bush ist diese Frage aber nicht abschließend geklärt.

Untersuchungskommission deckt angeblich mögliche Verbindung auf

Ausgelöst wurde die Debatte durch von der Presse verbreitete Ergebnisse der Untersuchungskommission zum 11. September. Das Gremium hatte festgestellt, dass mehrere der Attentäter nach US-Geheimdiensterkenntnissen vor den Anschlägen durch den Iran gereist seien. Nach Angaben McLaughlins waren rund acht der 19 Attentäter im Iran. Es gebe jedoch keine Beweise, dass die Regierung in Teheran von der Vorbereitung der Anschläge, bei denen mehr als 3000 Menschen getötet wurden, gewusst habe. Ein Sprecher des iranischen Außenministeriums räumte am Sonntag ein, dass möglicherweise Mitglieder des mutmaßlichen Terrornetzwerks El Kaida auf dem Weg in afghanische Trainingscamps illegal durch den Iran reisen konnten. Eine komplette Kontrolle der langen Landesgrenzen sei unmöglich.

Durchreise erleichtern

Das US-Nachrichtenmagazin "Newsweek" schrieb jedoch, die iranischen Grenzbeamten hätten die Anweisung erhalten, keine Stempel in die Reisepässe von durchreisenden El-Kaida-Kämpfern aus Saudiarabien zu machen. Im Magazin "Time" hieß es, die Grenzschützer seien angewiesen worden, die Durchreise von El-Kaida-Mitgliedern "zu erleichtern".

Bush hatte den Iran im Jänner 2002 zusammen mit Irak und Nordkorea zur "Achse des Bösen" gezählt, damals aber keine direkte Verbindung zwischen dem Iran und dem 11. September gezogen. Er erneuerte am Montag am Rande eines Treffens mit dem chilenischen Präsidenten Ricardo Lagos aber seinen Vorwurf, dass El-Kaida-Mitgliedern vom Iran Zuflucht gewährt werde. Auch beschuldigte er den Iran erneut, an Nuklearwaffen zu arbeiten.

US-Außenamt sieht weiter ernste Differenzen mit dem Iran

Der Sprecher des US-Außenamts, Richard Boucher, erklärte am Montag, zwischen den USA und dem Iran würden einige "ernste" Probleme bestehen, die gelöst werden müssten, um die Beziehungen zwischen beiden Ländern zu verbessern. Die US-Regierung habe "große Sorgen" wegen der iranischen Unterstützung für den Terrorismus, das Bemühen um Massenvernichtungswaffen und der "erschreckenden" Menschenrechtslage im Iran gehabt. "Ich muss sagen, wenn man die letzten zwei Jahre oder mehr betrachtet, sind unsere Sorgen nicht geringer geworden", fügte Boucher hinzu.

Washington habe grundsätzlich nichts gegen direkte Gespräche mit Teheran einzuwenden, sagte der Außenamtssprecher. Die diplomatischen Beziehungen zwischen beiden Ländern waren 1980 abgebrochen worden.

Experten raten Washington zu "aktivem Dialog" mit Teheran

Nach Ansicht einer Washingtoner Denkfabrik sollten die USA ihre Iran-Politik revidieren. Anstatt auf einen hypothetischen Zusammenbruch der islamischen Führung in Teheran zu warten, sollte sich die US-Regierung eher zu einer Politik des "aktiven Dialogs" umorientieren, hieß es in einem am Montag in Washington veröffentlichten Bericht des Rats für Auswärtige Beziehungen (CFR). Angesichts der derzeitigen Bedenken sei es ratsam, dass die USA sich mit der aktuellen Teheraner Führung auseinandersetzten. Die Islamische Republik Iran scheine auf festem Boden zu stehen, das Land sei nicht "am Rande eines revolutionären Umsturzes". (APA/red)

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    Nimmt US-Präsident Bush nun den Iran ins Visier?

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