Buchtipp: Widerstand gegen die Nazis auf andere Weise

10. September 2004, 12:56
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"Krieg im Äther. Widerstand und Spionage im Zweiten Weltkrieg"

Am 20. Juli 1944 scheiterte das wichtigste Attentat auf Adolf Hitler. Claus Schenk Graf von Stauffenberg und Mitverschwörer wurden hingerichtet. Zum 60. Jahrestag findet jenes Gedenken statt, das den Attentätern und ihren Angehörigen jahrelang versagt blieb.

Den Fokus auf eine besondere Facette richtet dieser Sammelband, der Spionage und den Einsatz von Agenten als Mittel des Widerstandes beleuchtet. In seinem Überblick geht Peter Steinbach darauf ein, was Widerstand gegen das NS-Regime eigentlich sei. Eng definiert, so meint er, hätte "nur der 20. Juli 1944 allen Kriterien genügt". Die Sicht, dass auch die Zusammenarbeit mit den Alliierten als Widerstand angesehen wird, hat sich aber inzwischen weitgehend durchgesetzt.

Weil dieses Buch aus einer gemeinsam veranstalteten Tagung der Gedenkstätte Deutscher Widerstand in Berlin und des Dokumentationsarchivs des österreichischen Widerstandes hervorgegangen ist, wird auch die Entwicklung in Österreich ausgeleuchtet.

Wolfgang Neugebauer beschreibt, wie kommunistische Emissäre von Moskau aus an die Donau geschickt wurden, um an der Wiederherstellung eines unabhängigen Österreich mitzuwirken. Ein weiterer Schub kam mit französischen Fremdarbeitern ins Land. Mit britischer Assistenz wurden Fallschirmagenten eingeflogen. Häufig waren Exilösterreicher im Einsatz.

Aus den Beiträgen ist ersichtlich, dass nicht nur die Sowjets Fehler beim Einsatz von Agenten machten, sondern auch die britischen Dienste. Gleichzeitig wird durch die spannend geschriebenen Texte deutlich, dass es doch nicht so wenige waren, die auf ihre Weise versucht haben, Widerstand zu leisten. (Alexandra Föderl-Schmid/DER STANDARD, Print-Ausgabe, 20. 7. 2004)

Das aktuelle Buch
Hans Schafranek, Johannes Tuchel (Hg.): "Krieg im Äther. Widerstand und Spionage im Zweiten Weltkrieg", Picus Verlag, Wien 2004 367 Seiten, 26,90 Euro
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