Angeklagte erwarten Freispruch

22. Juli 2004, 09:42
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Am Donnerstag wird im spektakulärsten Wirtschaftsprozess Deutschlands das Urteil erwartet - Die Angeklagten hoffen auf Freispruch

Siegesgewiss hatte sich Ackermann schon zu Beginn des Verfahrens vor einem halben Jahr gezeigt, als er mit dem inzwischen berühmten Victory-Zeichen im Gerichtssaal posierte. "Jeder Argwohn von Käuflichkeit und Komplott ist für mich unverständlich", sagte Ackermann in seinem Schlusswort vor dem Düsseldorfer Landgericht.

Die Verteidigung beantragte deshalb folgerichtig am Montag Freispruch, die Staatsanwaltschaft hatte dagegen Haftstrafen wegen schwerer Untreue gefordert - bis zu drei Jahren.

Rechtsgeschichte

Der Fall, der Rechtsgeschichte machen wird, hatte nach der 190 Milliarden Euro teuren Übernahme des Mannesmann-Konzerns durch den britischen Mobilfunker Vodafone unspektakulär begonnen - mit der Strafanzeige zweier Stuttgarter Rechtsanwälte. Sie monierten, 60 Millionen Mark (30 Millionen Euro) Abfertigung für Mannesmann-Chef Klaus Esser sei viel zu hoch.

Dann wurde Anklage erhoben: die damaligen Mannesmann-Aufsichtsräte Ackermann sowie der frühere Gewerkschaftschef der Metaller, Klaus Zwickel, und weitere Mannesmann-Manager kamen vor Gericht.

Die Abfertigung für Esser bezeichnete der Deutsche-Bank-Chef in seinem Schlusswort als "angemessen". Für ähnliche Leistungen will Ackermann auch in Zukunft Millionensummen bewilligen. "Leistung und Erfolg müssen belohnt werden", sagte er.

Eichendorff muss helfen

Auch die anderen Angeklagten wiesen den Vorwurf der Untreue oder der Beihilfe dazu in aller Form zurück. "Für Mannesmann zu arbeiten war meine Aufgabe und meine Leidenschaft. Kein falscher Vorwurf kann verletzender sein, als zu sagen, ich hätte nicht loyal für das Unternehmen, seine Aktionäre und die Mitarbeiter gearbeitet", sagte der ehemalige Mannesmann-Chef Esser.

Er zitierte im Gerichtssaal ein Gedicht von Joseph von Eichendorff: "Was ich wollte, liegt zerschlagen, Herr, ich lasse ja das Klagen, und das Herz ist still. Nun aber gib auch Kraft zu tragen, was ich nicht will!"

Der frühere IG-Metall-Chef Zwickel forderte Freispruch für alle Angeklagten: "Ich bin absolut sicher, dass keiner der Beteiligten gegen geltendes Recht verstoßen hat." Joachim Funk, ehemaliger Aufsichtsratschef, klagte: "Was bleibt, ist die persönliche Beschädigung in der Öffentlichkeit."

Die Angeklagten rechnen mit Freisprüchen. Denn Richterin Brigitte Koppenhöfer hatte Ende März in einer Art Fazit, dem in Deutschland möglichen Rechtsgespräch, dies signalisiert: Zwar hätten die Angeklagten, bilanzierte sie vorläufig, gegen das Aktienrecht verstoßen. Aber strafrechtlich sei an den Vorwürfen nichts dran. Ob das Gericht bei dieser Sicht bleibt, wird das Urteil am Donnerstag zeigen. (DER STANDARD Printausgabe, 20.07.2004)

Alexandra Föderl-Schmid aus Berlin
  • Recht optimistisch: Klaus Esser (li.), Ex-Chef von Mannesmann, der frühere Aufsichtsratspräsident Joachim Funk und der Chef der Deutschen Bank, Josef Ackermann (re.)
    foto: epa/franz-peter tschauner

    Recht optimistisch: Klaus Esser (li.), Ex-Chef von Mannesmann, der frühere Aufsichtsratspräsident Joachim Funk und der Chef der Deutschen Bank, Josef Ackermann (re.)

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