Buchtipp: Den roten Faden finden

21. Juli 2004, 07:00
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Menstruation und weibliche Initiationsriten - gute Lektüre zur Erforschung eines Tabus

"Rote Hölle", "böses Blut", "rote Tunke", "Ekelkur" und "Frauengift" sind nur einige Begriffe für die Menstruation, die im Verlauf der patriarchalen (vor allem westlichen) Geschichte abgewertet und insgesamt negativ beurteilt worden ist - und nach wie vor wird. Obwohl Frauen monatlich menstruieren, muss dieser Vorgang auch heute noch im Verborgenen geschehen und darf auf keinen Fall sichtbar werden wie anhand diverser Werbungen für Tampons und Binden suggeriert wird. Warum ist das periodische Bluten von Frauen ein gesellschaftliches Tabu?

Die Autorin ist dieser Frage in einem Streifzug durch die Geschichte von der Antike bis zur Gegenwart nach gegangen und hat sich zugleich mit dem Thema Menstruation in der Ethnologie befasst. Anhand der Untersuchung von Menstruationstabus, dem Rückzug von menstruierenden Frauen in sogenannte Menstruationshütten und Menarcheriten in außereuropäischen Gesellschaften werden Ergebnisse geliefert, die auch für Frauen in modernen, "zivilisierten" Ländern aufschlussreich sind.

Denn auch die Funktion der Riten - allgemein als für die Entwicklung des Körperbewusstseins und des Frauseins als ideal bewertet - förderte widersprüchliche Aussagen zu Tage. Neben den positiven Effekten der Feier des Übergangs vom Leben als Mädchen zu jenem einer Frau, die Annahme der biologischen Veränderungen als gut und sogar machtvoll (mit der Menarche erhält das Mädchen die Fähigkeit zu gebären) und der Solidartät stiftenden Sicherheit einer Gruppe anzugehören, weisen Ethnologinnen auch auf die Gefahr der "patriarchalen Indoktrination" hin. Mädchen-Initiationen würden in den sozialen Kodex einführen, junge Frauen also auch für ihre Rolle als Mutter und Ehefrau konditionieren und damit andere Lebensperspektiven ausblenden.

Doch grundsätzlich, so die Autorin, hänge die Wertschätzung der Menstruation mit der prinzipiellen Wertschätzung der Frauen zusammen. Denn solange Frauen aufgrund ihrer Biologie als "minderwertige Menschen" gesehen werden, bleiben sie machtlos. Oder wie es Luisa Francia ausdrückt: "Blut ist unsere Spur. Wenn wir diesem roten Faden ins Labyrinth folgen, begegnen wir unweigerlich unserer Macht". (aus: "Drachenzeit", Frauenoffensive 1991). (dabu)

  • Caroline Ausserer:
Menstruation und weibliche Initiationsriten
Frankfurt/Main 2003
Peter Lang Verlag
ISBN 3-631-38275-8
    foto: buchcover/peter lang
    Caroline Ausserer:
    Menstruation und weibliche Initiationsriten
    Frankfurt/Main 2003
    Peter Lang Verlag
    ISBN 3-631-38275-8
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