Gleich lange Beine durch Hüftprothese

23. Juli 2004, 21:23
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Kremser Mediziner entwickelten künstliche Hüfte nach individuellem Maß

Krems/Wien - Niederösterreichische Mediziner haben eine Hüftprothese entwickelt, die individuell angepasst werden kann. Damit können "unangenehme Folgen von Hüftoperationen vermieden werden", erklärt Florian Gottsauner-Wolf, Primarius für Orthopäde am Landeskrankenhaus Krems, dem STANDARD.

Er meint damit vor allem Gehbehinderungen. Denn "das größte Problem bei Hüftoperationen sind unterschiedliche Beinlängen. Wenn sie nicht exakt beachtet werden, können die Patienten nach der Operation Gehbehinderungen entwickeln", sagt Gottsauner-Wolf. Vor der Operation würden daher die Beine der Patienten exakt vermessen. Mit einem digitalen Röntgenaufnahmegerät, das die zehnfach verringerte Strahlendosis hat, werden Hüften und Beine in hoher Auflösung fotografiert in Längsstreifen - die Lichtstärke bleibt dadurch an allen Stellen gleich intensiv.

Die variable Hüftprothese hat Gottsauner-Wolf gemeinsam mit einer Mödlinger Medizintechnikfirma entwickelt. Sie besteht aus mehreren Bauteilen, die in Winkeln und Längen individuell an die körperlichen Eigenheiten des Patienten angepasst werden.

Um die optimale Muskelspannung zu überprüfen, kann der Chirurg schon während der Operation die richtige Kombination der Prothesenelemente mit Hilde von Kunststoffteilen testen. Mit beweglichen Adaptern (Foto: zweites Teil von links) können verschiedene Winkel und Längen eingestellt werden. Die künstliche Hüfte wird damit in die richtige Position gebracht, das kürzere Bein wird verlängert. Danach wird die künstliche Hüfte nach dem Modell zusammengebaut und eingesetzt. Bei Hüftoperationen war eine derartige Angleichung der Beinlängen bisher nicht möglich, da der Adaptor nie in sowohl Winkel als auch Länge variabel war.

Für zusätzliche Stabilität sorgt eine Hülse aus Titanlegierung, die das künstliche Gelenk aus Keramik (zweites Teil von rechts) ummantelt, "damit es nicht wandert", sagt Gottsauner-Wolf: "Das gewinkelte Teil und das Keramikgelenk schaffen eine individuelle Lösung - sodass genau die Hüfte nachgebaut wird, die man ursprünglich gehabt hat." Ob die Prothese dann wohl auch ebenso lange halten würde wie ein natürliches Hüftgelenk? "Nach derzeitigem Stand schwer zu sagen", meint der Orthopäde: "Wir nehmen es an, allerdings mangelt es uns was die Lebensdauer betrifft an empirischer Erfahrung." Die Patente wurden erst vor kurzem zugelassen. In Österreich werden jährlich 12.000 Hüftoperationen durchgeführt. Das häufigste Problem sind unterschiedliche Beinlängen. In den USA sollen sie sogar der häufigste Grund für diesbezügliche Klagen sein. (east/DER STANDARD, Print-Ausgabe, 20. 7. 2004)

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    foto: falcon medical
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