Australischer Mordfall bleibt mysteriös

20. Juli 2004, 19:27
3 Postings

Der Weststeirer Johann Weißensteiner hatte den Mord an zwei Freunden nie gestanden ...

... Die Leichen des in Australien verschwundenen Paares wurden nie gefunden. Trotzdem wurde Weißensteiner 1990 zu lebenslanger Haft verurteilt. Dieser Tage kehrte er als freier Mann nach Graz zurück.

***

Graz - Nach 15 Jahren sorgt ein geheimnisvoller Mordfall, der sich auf hoher See im australischen Hoheitsgebiet ereignet haben soll, für Aufregung. Johann Weißensteiner, ein heute 40-jähriger Weststeirer, der 1990 in Australien wegen Doppelmordes zu lebenslanger Haft verurteilt worden war, befindet sich seit 3. Juli als freier Mann wieder in Österreich. Vor 14 Jahren war Weißensteiner im Zusammenhang mit dem Verschwinden des damals 35-jährigen Salzburgers Hartwig Rüdiger Bayerl und dessen schwangerer Lebensgefährtin, der 31- jährigen Britin Susan Zack, auf den Marshall-Inseln festgenommen worden.

Da Weißensteiner mit der Yacht Bayerls, aber ohne das Paar aufgespürt wurde, warf man ihm vor, die beiden Freunde ermordet zu haben.

Bayerl soll die fixe Idee gehabt haben, das Ende der Welt stünde unmittelbar bevor. Gemeinsam mit Weißensteiner hatte er seine Yacht so umgebaut, dass sie auch für den Jüngsten Tag seetauglich sein sollte.

Weißensteiner beteuerte seine Unschuld, die Leichen von Bayerl und Zack wurden nie gefunden, wohl aber hatten Schulfreunde und Verwandte von Bayerl ausgesagt, das "Mordopfer" in Salzburg lebend gesehen zu haben.

Beweislage dürfte sich geändert haben

Da die australischen Behörden Weißensteiner frei gelassen haben, dürfte sich die Beweislage geändert haben. Der Leiter der Staatsanwaltschaft Graz, Horst Siegl, bestätigte gegenüber dem STANDARD, dass sich der Heimkehrer gleich nach seiner Einreise mit der Grazer Justizbehörde in Verbindung gesetzt habe: "Es wird eine Woche dauern, bis wir alle Papiere übersetzt und das Prüfungsverfahren über die Gründe und Bedingungen seiner Entlassung beendet haben". Nach österreichischem Recht müsse man beim Urteil lebenslang mindestens 15 Jahre absitzen, das könnte in Australien ähnlich sein.

Ob Weißensteiner unschuldig oder schuldig ist, könne er, Siegl, nicht sagen, auch wisse er nicht, ob sich der Mann derzeit in Graz aufhalte. Wenn mit seiner Entlassung alles in Ordnung ist, droht Weißensteiner in Österreich kein weiteres Gerichtsverfahren: "Die Feststellung einer Schuld war Sache der australischen Behörden. Man kann nicht zwei Mal für die selbe Tat vor Gericht gestellt und verurteilt werden." (cms/DER STANDARD, Printausgabe, 20.7.2004)

Share if you care.