Firmen holen sich Milliarden am Anleihenmarkt in Wien

28. Juli 2004, 12:46
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Angekündigte Börsengänge lassen zwar auf sich warten, dafür läuft das Geschäft mit Unternehmensanleihen in Wien gut

Wien - Hinter der Dynamik in der Entwicklung des Wiener Leitindex ATX - er hat heuer bis jetzt erneut mit fast 30 Prozent Plus die großen europäischen Börsen übertroffen - verbirgt sich noch ein lebhaftes Segment der Unternehmensfinanzierung via Börse: Der Markt für Unternehmensanleihen.

Höhepunkt war bis jetzt das Vorjahr mit einem Emissionsvolumen von 3,4 Mrd. Euro. Die größten Brocken waren Telekom mit 750 Mio. Euro, OMV mit 250 Mio. Euro und Voest mit 245 Mio. Euro.

Aber auch heuer werden sich Unternehmen solcherart wieder Milliarden an frischem Geld holen, sagt Christian Säckl, Bereichsleiter im Investmentbanking der Raiffeisen Zentralbank (RZB). Sie brachte neben KTM und Bauholding zuletzt die Anleihe der Uniqa-Versicherung mit 150 Mio. Euro.

Fixer Zinssatz

Unternehmen borgen sich so Geld bei Anlegern aus und zahlen ihnen einen fixen Zinssatz über die Laufzeit. Das macht die Kapitalkosten planbar. Anleger erhalten - wie im Fall der Uniqa mit vier Prozent jährlich - höhere Zinszahlungen als bei klassischen Euro- Staatsanleihen.

Bis jetzt wurden heuer zusammen erst 366 Mio. Kapital aufgenommen, Säckl erwartet heuer aber noch mehr als zwei Milliarden. Der Grund: Die Unternehmensgewinne im ATX werden heuer um rund 16,5 und 2005 um über 30 Prozent wachsen, was Expansionen erleichtert.

Säckl: "Die Akquisitionsphase der Unternehmen beginnt jetzt", wie OMV mit Petrom und die EVN ebenfalls in Rumänien zeigten. Dafür würden Finanzierungen im Anleihenmarkt in Anspruch genommen.

Fehlendes Rating stört Investoren nicht

Dass heimische Firmen bis auf wenige Ausnahmen - wie international üblich - kein offizielles Rating (Bonitätsnote von Moody's, S&P oder Fitch) haben, störe auch ausländische Investoren nicht.

Denn die Kosten dafür stünden in einer schlechten Relation zu den emittierten Volumina der Österreicher und verschlechtere die Preisgestaltung. Im Fall der Uniqa habe es starkes Interesse deutsche Investoren gegeben.

So genannte Schattenratings der begleitenden Banken würden anstatt teuer erkaufter Bonitätsnoten der Ratingagenturen in den Verkaufsgesprächen der Anleihen als Unterlagen verwendet, so Säckl.

So entwickelt sich der Anleihenmarkt als Trostpflaster für die ausgehungerten Investmentbanker - neue Börsenkandidaten gibt es heuer trotz mehrfacher Ankündigung nicht. Für die Banken selber wären Börsengänge (IPO) allerdings ein besseres Geschäft: Die Spesen für die Begebung einer Anleihe liegen bei einem Viertel der IPO-Kosten. (Karin Bauer/DER STANDARD Printausgabe, 20.07.2004)

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RZB
  • Bild nicht mehr verfügbar

    Uniqa hat die jüngste Anleihe (im Bild der neue Uniqaturm in Wien-Leopoldstadt) im Volumen von 150 Mio. Euro gebracht.

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