Patrouillen in der Straße von Malakka

20. Juli 2004, 20:16
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Malaysia, Singapur und Indonesien starten gemeinsame Antiterrorüberwachung

Singapur/Wien – Einer der jüngsten Logbucheinträge der Internationalen Seebehörde IMB beschäftigt wohl wieder die Terrorismusspezialisten: Sieben unbeleuchtete Schnellboote lauerten am 10. Juli in der Celebes-See zwischen Borneo und den Philippinen einem Öltanker auf und spannten ein Kabel, indem sich offenbar die Schiffsschrauben verfangen sollten. Die Tankerbesatzung erkannte rechtzeitig die Gefahr und konnte den Angriff vereiteln.

445 Fälle von Piraterie listete die Seebehörde im vergangenen Jahr auf, den zweithöchsten Stand seit Beginn der Aufzeichnungen 1992. Die Gewässer um Indonesien und Malaysia zählen dabei zu den gefährlichsten Gebieten. Vor allem Singapur warnt aber vor einer – bisher nicht belegten – Verbindung zwischen den Piraten und Al-Kaida-Terroristen. Anschläge auf Containerschiffe mit Ölladungen oder chemischer Fracht, möglicherweise parallel durchgeführt und nach dem Modell des jüngsten Vorfalls in der Celebes-See, sind für Singapurs Regierung plausibel.

Die Terrorszenarios des Stadtstaates scheinen Jakarta und Kuala Lumpur übertrieben. "Ein Selbstmordanschlag auf einen kreuzenden Tanker ist nahezu unmöglich", erklärte Indonesiens Marinekommandant Bernard Kent Sondakh in einem Montag erschienen Interview mit dem indonesischen Nachrichtenmagazin Tempo. "Es ist nicht leicht, eine Bombe 16 Meter hoch an Bord eines Containerschiffs zu bringen", meinte Sondakh, außerdem brauche man zwei Tonnen Sprengstoff, um einen Tanker in die Luft zu jagen. Gleichwohl markieren die Armeechefs von Singapur, Malaysia und Indonesien am heutigen Dienstag mit einer Zeremonie auf der Insel Batam, der Singapur am weitesten vorgelagerten indonesischen Insel, den Beginn gemeinsamer Antiterrorpatrouillen in der Straße von Malakka.

Denn die an ihrer schmalsten Stelle nur 2,4 Kilometer breite Meeresstraße hat hohen strategischen Wert: Mehr als ein Viertel des Welthandels, die Hälfte aller Öltransporte – und 80 Prozent von Japans Ölimporten – sowie ein Großteil der Flüssiggastransporte gehen durch die 970 Kilometer lange Straße. Dass Tank- oder auch Kriegsschiffe sehr wohl für Terroristen angreifbar sind, zeigten die Anschläge auf die USS "Cole" 1998 und den französischen Tanker "Limburg" vor Jemen im Oktober 2002.

Einen Vorschlag des US-Pazifikkommandeurs Thomas Fargo im vergangenen März für amerikanisch-japanische Patrouillen wiesen Malaysia und Indonesien umgehend als Einmischung zurück. Nun wollen sie in Eigenregie gemeinsam mit Singapur jeweils sieben Schiffe mit hundert Mann Besatzung aufbieten. (DER STANDARD, Printausgabe, 19.7.2004)

Von
Markus Bernath


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The IMB Piracy Reporting Centre
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