Amselsterben geht auch heuer weiter

28. Juli 2004, 09:11
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Usutu Viren könnten wegen der vielen Gelsen besonders heftig übertragen werden

Wien - Das seit drei Jahren grassierende Amselsterben dürfe dieser Tage wieder aufflammen. An der Veternärmedizinischen Universität Wien (VUW) sind bereits die ersten toten Amseln zur Untersuchung eingelangt, Virologe Norbert Nowotny rechnet damit, dass die Vögel am Usutu-Virus - dem Verursacher des Amselsterbens - eingegangen sind. Die Epidemie könnte heuer auf Grund der vielen Gelsen, die den Erreger übertragen, besonders heftig ausfallen. Die Forscher wollen nun auch den wenigen Fällen von Usutu-Erkrankungen von Menschen nachgehen.

Virus Usutu

Das Usutu-bedingte Amselsterben trat im Spätsommer 2001 in Wien und Umgebung erstmals auf. Das ursprünglich in Afrika beheimatete Virus rafft zu 95 Prozent Amseln dahin, aber auch vereinzelte Todesfälle anderer Vogelarten sind bekannt. Das Beunruhigende dabei ist, dass das betroffene Areal jedes Jahr größer wird. im Vorjahr waren neben Wien auch weite Teile Niederösterreichs und des Burgenlandes Usutu-Gebiet. Bisher konnten sich die Amsel-Bestände über den Winter ein wenig erholen. Je ausgedehnter das Gebiet jedoch wird, desto schleppender geht die Wiederbesiedelung vor sich, erklärte Nowotny gegenüber der APA.

Exotische Virus aber anpassungsfähig

Das ursprünglich exotische Virus scheint überaus anpassungsfähig zu sein. Es überstand bisher die zum Teil kalten Winter in Österreich und passte sich auch an heimische Stechmücken-Arten an. Bisher gibt es keine Anzeichen, dass die Epidemie in einmal betroffenen Gebieten auch wieder abklingt, wo das Virus einmal wütet, bleibt es auch. Für heuer erwarten die Forscher der Veterinärmedizinischen Universität eine Ausbreitung des Amselsterbens bis nach Ungarn und in die Slowakei.

Erkrankungen an Menschen

Für Aufsehen sorgten im Vorjahr Meldungen über erste Fälle von Erkrankungen an Menschen, die sich bestätigt haben. Im Falle von zwei Österreichern konnte das Virus im Blut nachgewiesen werden, in einigen weiteren Fällen fanden sich Antikörper. Nowotny betonte aber, dass es keinen Grund zu Panik gibt. Gefährlich sind die Viren nur für Vögel, Infektionen des Menschen sind vermutlich selten und auch nicht schwerwiegend. Meist gehen sie mit einem Ausschlag einher.

Hotline

Im heurigen Sommer wollen die Forscher der Veterinärmedizinischen Universität Wien vor allem untersuchen, wie verbreitet Usutu-Virus-Infektionen des Menschen tatsächlich in Österreich auftreten und zu welchen Symptomen sie führen. Die Forscher ersuchen daher nach Gelsenstichen auftretende Ausschläge bzw. auch andere Symptome an die Usutu-Hotline (01) 25077 6226 zu melden bzw. den Hausarzt zu kontaktieren.

Es wird auch ersucht, tot aufgefundene Vögel an die Usutu-Hotline zu melden bzw. an das Institut für Pathologie und Gerichtliche Veterinärmedizin, Veterinärmedizinische Universität Wien, Veterinärplatz 1, 1210 Wien, einzuschicken. (APA)

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