Türkischer Pate will nicht ausgeliefert werden

20. Juli 2004, 19:27
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Mafiaboss hält Abschiebung für "völkerrechtswidrig" - Alaattin Cakici soll über 40 Morde in Auftrag gegeben haben

Wien - Der in der Vorwoche festgenommene mutmaßliche türkische Mafia-Pate Alaattin Cakici, der seit Freitag in Wien in Auslieferungshaft sitzt, will nicht in seine Heimat abgeschoben werden.

"Er ist der Meinung, dass die Auslieferung nicht zulässig ist, weil ihn Frankreich seinerzeit schon ein Mal ausgeliefert hat. Er sagt, die Sachen, die man ihm jetzt in dem türkischen Haftbefehl vorwirft, wären damals schon bekannt gewesen. Sie wären damals aber nicht offiziell Gegenstand des Auslieferungsverfahrens gewesen, so dass sie die Türkei jetzt nachschießt. Für ihn ist das völkerrechtswidrig", so Friedrich Forsthuber, Pressesprecher des Wiener Landesgerichts.

Mordanschläge

Der 51-jährige Cakici gilt als einer der größten Bosse in der türkischen Unterwelt. Er soll hinter mehr als 40 Mordanschlägen stecken bzw. diese in Auftrag gegeben haben, darunter auch den an seiner Ehefrau Ugur. Seine Organisation, von ihm dem Vernehmen vorwiegend vom Ausland aus gelenkt, soll sich in großem Stil mit Drogenschmuggel, Waffenhandel, illegalem Glücksspiel und Geldwäsche befassen.

1998 in Nizza festgenommen

1998 wurde Cakici in Nizza festgenommen und an die Türkei ausgeliefert. Dort wurde er in mehreren Verfahren zu insgesamt acht Jahren Haft verurteilt. Unter ungeklärten Umständen - angeblich ein peinlicher Irrtum der Justiz - kam er Anfang 2004 auf freien Fuß, worauf er sich postwendend ins Ausland abgesetzt haben dürfte.

Die türkischen Behörden machen nun in ihrem an das österreichische Justizministerium gerichteten Auslieferungsersuchen zwei Punkte geltend: Einerseits wird darin festgestellt, Cakici habe in seiner Heimat noch eine offene Freiheitsstrafe von drei Jahren und vier Monaten abzusitzen.

Vermutlich wird Cakici gegen die am Freitag verhängte Auslieferungshaft eine Beschwerde einlegen, der von Insidern jedoch keine Erfolgsaussichten gegeben werden. Bis zur Entscheidung des U-Richters, gegen die allenfalls ein Rechtsmittel ans Oberlandesgericht Wien möglich ist, dürften noch zwei bis drei Monate vergehen. (APA)

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