Geringes Interesse für Widmung der Studiengebühren

23. Juli 2004, 16:19
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300 von 4.200 Grazer Medizinstudenten gingen zur Abstimmung - Gemeinsamer Beschluss an TU Graz - Uneinigkeit zwischen ÖH und Senat an Uni Graz

Graz - Äußerst gering ist das Interesse der Grazer Medizinstudierenden, wie ihre Universität mit den Studiengebühren verfährt: An der Abstimmung über die Verwendung der insgesamt 1,4 Mio. Euro pro Semester nahmen laut Gilbert Reibnegger, Vizerektor für Studium und Lehre nur rund 300 Studierende, bzw. sieben Prozent der Berechtigten teil. Auch an der größten Universität Österreichs, der Uni Wien, haben sich im Vormonat lediglich rund sechs Prozent an der entsprechenden Abstimmung beteiligt. Einhelligkeit über die Verwendung der Mittel herrscht an der Technischen Universität, Uneinigkeit hingegen an der Uni Graz.

Das neue Universitätsgesetz berechtigt die Studierenden, über die Verwendung der Studienbeiträge zu entscheiden. Dabei hat der Senat Kategorien für die Zweckwidmung festzulegen, einer der Vorschläge muss dabei von den Studentenvertretern im Senat stammen. An der Grazer Med-Uni konnte man in einer elektronischen Wahl bis zum 11. Juli über die Vorschläge abgestimmt werden. Die Ergebnisse im Sommer- und Wintersemester werden summiert und im darauf folgenden Jahr budgetwirksam.

"Die Beteiligung war katastrophal", so Reibnegger auf APA-Anfrage. Von den 4.200 Wahlberechtigten machten nur sieben Prozent Gebrauch und haben sich zu 70 Prozent für den Entwurf der ÖH entschieden. Dieser sieht v.a. eine Aufstockung der Pflichtpraktika vor. Es sollen aber auch Mikroskope und Präparate sowie Lehrbücher angekauft und mehr Demonstratoren angeheuert werden. Zudem wolle man die Kosten für das Mittagessen beim Stationspraktikum senken. Der Senatsvorschlag hatte Verbesserung der Ausstattung, der personellen Ressourcen für die Lehre aber auch Mittel für die didaktische Weiterbildung der Lehrenden und Förderstipendien für Diplomanden vorgesehen.

"Der Vorschlag der Studierenden war an und für sich sehr verantwortungsbewusst gemacht", so Reibnegger. Das Ergebnis werde anerkannt, ob zusätzliche Pflichtpraktika geschaffen werden können, stehe jedoch in den Sternen: "Wir haben dazu weder die Räume noch das Personal", so Reibnegger. Zudem warte man das Ergebnis der Abstimmung im Herbst ab.

Enttäuscht zeigt sich Hochschülerschaftssprecher Klaus Auracher: "Die Beteiligung ist wirklich enttäuschend. Es gibt leider noch immer zu viele Studierende, die sich für nichts interessieren." Dennoch wolle man an der direkten Beteiligung der Studenten bei der Vergabe der Geldmittel festhalten. "Wir werden im Herbst eine Info-Offensive starten", so Auracher.

Problemlos ist die Abstimmung an der TU abgelaufen. Dort haben die ÖH-Vertreter bereits im März einen gemeinsamen Beschluss über die Verteilung der 4,9 Mio. Euro jährlich getroffen. Im Nachhinein wurde eine Online-Befragung durchgeführt, an der "rund die Hälfte" der Studierenden teilgenommen und "überwiegende Zustimmung" signalisiert hätten, hieß es aus dem Rektor-Büro. An der Uni Graz sind sich Senat und ÖH nach wie vor nicht über die Verteilungsmodalitäten von immerhin über 11 Mio. Euro einig. (APA)

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