Putin entlässt Generalstabschef nach Überfall auf Inguschetien

20. Juli 2004, 11:22
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Russischer Präsident misstraut Militärangaben im Nordkaukasus

Moskau - Der russische Präsident Wladimir Putin hat nach dem Rebellenüberfall auf die Teilrepublik Inguschetien mit mehr als 90 Toten am Montag den Generalstabschef Anatoli Kwaschnin abgesetzt. Zuvor war bereits der Befehlshaber der Innenministeriums-Truppen entlassen worden. Der Präsident versetzte auch die für den Nordkaukasus zuständigen Befehlshaber der Armee, des Innenministeriums sowie des Inlandsgeheimdienstes FSB.

Der in der russischen Armee äußerst umstrittene Kwaschnin hatte 1999 gemeinsam mit dem damaligen Geheimdienstchef Putin den zweiten Tschetschenienkrieg vorbereitet. Bis heute ist es der auf 80.000 Mann geschätzten russischen Streitmacht nicht gelungen, den Widerstand militanter Banden im Nordkaukasus zu brechen. Seit 1999 starben nach Angaben von Menschenrechtsorganisationen etwa 13.000 russische Soldaten in Tschetschenien.

Offenbar misstraue selbst der Präsident mittlerweile den Beteuerungen der Militärs, wonach man im Nordkaukasus alles im Griff habe, kommentierten westliche Experten die Entscheidungen Putins. Ende Juni hatten Rebellen das an Tschetschenien grenzende Inguschetien überfallen und zielgerichtet ranghohe Polizisten, Justizbeamte und Politiker erschossen.

Der Entlassung des Generalstabschefs Kwaschnin war über Jahre ein Machtkampf zwischen dem Generalstab und dem von Putins Geheimdienst- Vertrauten Sergej Iwanow geleiteten Verteidigungsministerium vorausgegangen. Zum Nachfolger wurde der bisherige Stellvertreter Juri Balujewski ernannt. Balujewski gilt in NATO-Kreisen als geschickter Verhandlungspartner, der aber ähnlich starke Vorurteile gegenüber der NATO hege wie sein Vorgänger. (APA/dpa)

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