Bayer kauft OTC-Sparte von Roche

28. Juli 2004, 11:17
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Kauf des Geschäfts mit verschreibungsfreien Arzneimitteln kurbelt Erlöse bei Bayer Healthcare an - Für Roche-Chef sind große Verkäufe nun abgeschlossen

Frankfurt - Der deutsche Chemie- und Pharmakonzern Bayer, Leverkusen, erwirbt das Geschäft mit verschreibungsfreien Arzneimitteln des Schweizer Wettbewerbers Roche. Mit dem Kauf der so genannten OTC-Sparte des Baseler Konzerns zum Preis von 2,38 Mrd. Euro steigt Bayer zu den drei weltgrößten Unternehmen in diesem Bereich auf. "Es ist unser erklärtes Ziel, unser OTC-Geschäft weiter auszubauen und die Nummer eins weltweit zu werden. Mit der Übernahme sind wir unserem Ziel einen großen Schritt näher gekommen," kommentierte Bayer-Chef Werner Wenning am Montag die Akquisition. Die Kartellbehörden müssen dem Kauf noch zustimmen.

3.200 Mitarbeiter werden übernommen

Der Kauf der OTC-Sparte (over the counter) von Roche schließe den Anteil am bestehenden US-Joint-Venture mit den Schweizern ein. Weltweit wechseln 3.200 Mitarbeiter von Roche zu Bayer. Die Transaktion solle bis zum Jahreswechsel abgeschlossen sein und aus den vorhandenen Finanzmitteln des Konzerns finanziert werden. "Die Akquisition bringt uns Wachstum sowie attraktive Renditen in einem sehr interessanten Bereich des Gesundheitsmarktes", erläuterte Wenning.

Analysten sprachen von einem strategisch sinnvollen Schritt für Bayer. Der Kaufpreis sei allerdings eher hoch zu bewerten. Die Bayer-Aktie lag zu Mittag rund 3 Prozent im Minus bei 21,59 Euro. Roche-Papiere notierten unverändert bei 124 Schweizer Franken.

Zusätzliche Umsatzströme

Der Zukauf verschafft Bayer in seinem Teilkonzern Bayer HealthCare zusätzliche Umsatzströme zu einer Zeit, in der neue verkaufsstarke Medikamente aus der Pharmaforschung noch keine Marktreife erlangt haben. Das Auslaufen des Patentschutzes für das umsatzstarke Antibiotikum Ciprobay schmälert gerade die Bayer-Erlöse. Das übernommene Geschäft hat nach Bayer-Angaben derzeit einen Jahresumsatz von einer Milliarde Euro. Die fusionierten Geschäfte haben nach Bayer-Angaben einen Umsatz von 2,4 Mrd. Euro und sind mit 6.700 Beschäftigten in 120 Ländern aktiv.

Bayer befindet sich derzeit im größten Umbruch seiner mehr als 140-jährigen Geschichte. Erst am Freitag hatte der Konzern mitgeteilt, den größten Teil seines Chemie- und Teile seiner Polymer-Geschäfte Anfang 2005 mittels eines Spin-Off (Zuteilung an die bestehenden Bayer-Aktionäre) an die Börse zu bringen. Damit trennt sich der Traditionskonzern von rund sechs Mrd. Euro Umsatz.

"Solide Finanzierungsbasis"

Der Konzern habe eine "solide Basis" zur Finanzierung der OTC-Übernahme, erklärte Bayer. Ende des ersten Quartals betrugen die flüssigen Mittel im Konzern nach Unternehmensangaben 2,6 Mrd. Euro.

Der Gewinn pro Aktie solle 2005 um rund 0,25 Euro sinken. Ab 2006 sei aber mit positiven Beiträgen des Zukaufs zum Ergebnis zu rechnen. Erwartet werden Synergien von 100 bis 120 Mio. Euro jährlich, die über drei Jahre schrittweise realisiert würden.

Bayer arbeitet schon seit acht Jahren mit Roche in einem Gemeinschaftsunternehmen in den USA zusammen, um dort Schmerzmittel und Gesundheitsprodukte zu vermarkten. Das bekannte Aspirin von Bayer gehört aber nicht dazu. Die USA sind der weltgrößte Markt für frei verkäufliche Arzneimittel. Die OTC-Aktivitäten der Roche-Tochter Chugai in Japan seien dagegen nicht im Kauf enthalten. Wenning sieht nun gute Chancen, weitere Marken in diesen Bereich einzulizenzieren.

"Große Verkäufe abgeschlossen"

Bayer wollte seit längerem sein konsumnahes Pharmageschäft stärken. Roche hatte dagegen angekündigt, sich vom OTC-Bereich mit dem bekannten Magenmittel Rennie zu trennen, um sich auf das höhere Gewinnmargen versprechende Geschäft mit verschreibungspflichtigen Arzneien zu konzentrieren. Roche-Chef Franz Humer meinte am Montag, die großen Verkäufe seien jetzt abgeschlossen. Er sei zufrieden mit dem Geschäftsportfolio, das nun auf die Bereiche Pharma und Diagnostik ausgerichtet sei. Den Erlös aus dem OTC-Verkauf will Roche für die Stärkung der Bilanz und den Ausbau des Kerngeschäfts verwenden.

Mit der Übernahme gehört Bayer nach eigenen Angaben nun neben dem US-Konzern Johnson & Johnson sowie der britischen GlaxoSmithKline zum weltweiten Führungstrio im OTC-Geschäft. "Die Übernahme ist strategisch sinnvoll für Bayer. Der Kaufpreis liegt allerdings am oberen Ende meiner Erwartungen", kommentierte eine Analystin der Landesbank Rheinland-Pfalz. Bayer verfüge aber über ausreichend finanzielle Mittel, um das zu stemmen. Ähnlich ein Analyst beim Brokerhaus Steubing: "Das ist nicht gerade das Preiswerteste, was man kaufen kann." Dies werde "für Roche positiv sein, für Bayer kursmäßig aber eher negativ". (APA/Reuters/dpa)

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