Umfrage: Serben stehen UNO-Tribunal nach wie vor kritisch gegenüber

20. Juli 2004, 11:22
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Fast die Hälfte der Befragten für Prozesse vor heimischen Gerichten

Belgrad - Die Bürger Serbiens stehen dem UNO-Kriegsverbrechertribunal in Den Haag offenbar weiterhin mehrheitlich kritisch gegenüber. In einer Umfrage des Meinungsforschungsinstituts "Faktor plus" im Auftrag der auflagenstärksten Belgrader Tageszeitung "Politika" sprach sich fast die Hälfte der Befragten (48,2 Prozent) für Kriegsverbrecherprozesse vor heimischen Gerichten aus. Weitere 13,7 Prozent meinten, man solle die Haager Angeklagten in Ruhe lassen, also auch nicht festnehmen. Ausdrückliche Unterstützung für eine Auslieferung an das UNO-Tribunal äußerten lediglich 12,5 Prozent der Befragten.

Rund zwei Drittel der Bürger (68,6 Prozent) sind laut der Umfrage der Ansicht, dass das Haager Tribunal im Hinblick auf die Angeklagten je nach ethnischer Zugehörigkeit unterschiedlich agiert. Nur rund fünf Prozent halten das Tribunal für eine völlig unparteiische Institution.

Die Mehrheit der Serben scheint nicht zu glauben, dass die mögliche Auslieferung der Angeklagten im eigenen Land schwerwiegende Folgen haben würde. Gut ein Drittel (34 Prozent) der Befragten ist überzeugt, dass nichts Wesentliches passieren würde. 20,8 Prozent erwarten jedoch eine Regierungskrise.

Auch, wenn sich die Befragten mehrheitlich gegen eine Auslieferung der Angeklagten aussprechen, sind sie laut der Umfrage überzeugt, dass es dazu kommen wird. Das letzte Wort in dieser Sache hat nach Ansicht von 28 Prozent der Befragten der serbische Regierungschef Vojislav Kostunica. (APA)

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