Termin für deutschen Komplettausstieg aus Telekom und Post offen

27. Juli 2004, 13:52
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Deutscher Bundesfinanzminister Eichel: "Marktumfeld wird den Zeitpunkt bestimmen"

Für die vollständige Privatisierung von Deutscher Telekom und Deutscher Post hat die deutsche Bundesregierung noch keinen endgültigen Zeitplan. Das grundsätzliche Ziel sei zwar der Komplettausstieg, sagte Bundesfinanzminister Hans Eichel (SPD) am Montag in einem Gespräch mit der Finanz-Nachrichtenagentur dpa-AFX. "Der Verkauf aller Anteile muss aber nicht zwingend im Jahr 2004 oder 2005 geschehen. Das Marktumfeld wird den Zeitpunkt bestimmen."

Ziele

Eichel zeigte sich zuversichtlich, unabhängig von Kursschwankungen an den Börsen die im Haushalt für 2005 eingeplanten Privatisierungserlöse von insgesamt 15 Milliarden Euro zu erzielen. "Dass sie kommen, da bin ich optimistisch."

Druck

Ein Instrument zur Platzierung sei es, die Aktienpakete zunächst bei der staatlichen KfW-Bankengruppe zu parken und nicht sofort direkt an der Börse zu verkaufen, sagte der Minister. "So stehen wir unter keinem Druck. Und keiner am Markt kann auf ein Schnäppchen spekulieren, weil der Bund verkaufen müsste." Die Aktien würden erst dann verkauft, wenn dafür ein "anständiger Preis" zu erzielen sei.

Eichel versicherte zugleich, dass die KfW vom Bund für den Fall einer solchen Parklösung mit entsprechendem zusätzlichem Eigenkapital ausgestattet werde. Die KfW hatte dies zur Bedingung für die Transaktion gemacht.

Beteiligung

Derzeit ist der Bund noch mit 26 Prozent direkt und über die KfW mit rund 17 Prozent indirekt an der Telekom beteiligt. An der Post hält der Bund noch 20 Prozent direkt, mehr als 40 Prozent liegen bei der KfW.

Finanzkreise gehen davon aus, dass der Bund die Anteile möglichst breit streuen will, statt große Pakete an strategische Investoren zu geben. Eine große Zahl von Kleinaktionären werde als die bessere Variante für die Zukunft der Konzerne gesehen.

Gründe

Die vollständige Privatisierung erfolgt Eichel zufolge nicht nur zur Finanzierung des Haushalts. Ein Ende des staatlichen Einflusses sei auch für die Unternehmen selbst von entscheidender strategischer Bedeutung an den Finanzmärkten: "Wenn Sie wollen, dass wir globale Unternehmen mit Sitz in Deutschland haben, dann müssen Sie als Staat aus der Veranstaltung raus. Sonst akzeptiert das an den internationalen Märkten heutzutage keiner mehr", betonte der Minister. (APA)

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