Vorstand zu Einkommensverzicht bereit

21. Juli 2004, 17:47
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IG-Metall-Vize nennt Angebot "Taktiererei" - Vorstandsverzicht für Gesamtmetall-Präsident "sympathisch, aber keine Problemlösung"

Köln - Im Streit um das Sparprogramm beim deutschen Autobauer DaimlerChrysler hat der Konzern die grundsätzliche Bereitschaft seines Vorstands bestätigt, im Zuge einer Verhandlungslösung auf Einkommen zu verzichten. "Der Vorstand ist bereit, zu einem erfolgreichen Abschluss der Verhandlungen mit dem Betriebsrat einen Beitrag zu leisten", sagte ein Konzernsprecher am Montag in Stuttgart.

Voraussetzung sei aber eine Einigung mit der Arbeitnehmerseite über die von der Konzernleitung geforderten Einsparungen bei Mercedes in Höhe von 500 Mio. Euro, betonte der Sprecher: "Die Bereitschaft ist da - nun müssen wir abwarten, was die Verhandlungen bringen."

Keine weiteren Protestaktionen

Weitere Details etwa zur möglichen Höhe des Einkommensverzichts nannte er nicht. "Bild am Sonntag" hatte unter Berufung auf Unternehmenskreise berichtet, Vorstand und Topmanager seien bereit, auf 10 Prozent ihres Gehalts zu verzichten. Die Verhandlungen bei DaimlerChrysler sollen am Dienstag und Mittwoch weitergehen; am Montag gab es nach Angaben des Konzerns zunächst keine weiteren Protestaktionen.

IG-Metall-Vize Berthold Huber sieht in dem Angebot des DaimlerChrysler-Vorstands allerdings keinen Ansatz zur Lösung des Konflikts. "Ich meine zumindest, dass es der Versuch ist, Kosmetik zu betreiben und die Wogen zu glätten", sagte Huber im WDR-5-Mittagsecho. "Wenn ich jetzt zynisch wäre, was ich nicht bin, dann kriegen die vielleicht zwei oder drei Millionen zusammen", rechnete Huber vor. Doch habe der Konzern, obwohl der Betriebsrat Einsparungen in Höhe von 200 Mio. Euro angeboten habe, gleich weitere 300 Mio. Euro gefordert. "Also irgendwie ist das alles ein unsauberes Spiel", kritisierte Huber: "Und das ist Taktiererei."

Immerhin gehe es bei dem Konflikt nicht um Vorstandsgehälter, "die - da sind wir uns ja wohl einig - eine Menge Luft haben", sagte der IG-Metall-Vize. "Wir sprechen über Leute, die in der Regel von ihrem monatlichen Gehalt ihren ganz normalen Lebensunterhalt bestreiten." Ob er den Optimismus von DaimlerChrysler-Chef Jürgen Schrempp hinsichtlich einer baldigen Einigung teilen könne, wisse er noch nicht, fügte Huber hinzu. "Das kann ich dann morgen sagen."

"Positive Geste"

Für Gesamtmetall-Präsident Martin Kannegiesser ist der mögliche Gehaltsverzicht von DaimlerChrysler-Führungskräften im Streit um Kosteneinsparungen zwar eine positive Geste, die aber an den grundlegenden Problemen nichts ändere. Im heutigen WDR-Morgenecho sagte Kannegiesser, die Einsparungsmöglichkeiten lägen nun mal bei den Personalkosten. "Und die Masse der Personalkosten fällt nun einmal in der Regel nicht in den Chef-Etagen an, sondern die Masse der Personalkosten fällt da an, wo 98 Prozent der Belegschaften arbeiten." (APA/dpa)

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