Strafantrag gegen Priesteranwärter

27. Juli 2004, 19:46
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"Vielzahl pornografischer Darstellungen mit Unmündigen" auf Wechselfestplatte - Bilder wurden kurz vor der Beschlagnahme gelöscht

St. Pölten - Die Staatsanwaltschaft St. Pölten wird im Zusammenhang mit den Ermittlungen im Priesterseminar der Diözese St. Pölten Strafantrag gegen einen 27-jährigen Seminaristen aus Polen erheben. Nach § 207a Abs 3 StGB handelt es sich um Verschaffen und Besitz von pornografischen Darstellungen mit Unmündigen. Das hat der Leitende Staatsanwalt Walter Nemec mitgeteilt.

Wechselfestplatte

Auf der Wechselfestplatte des Computers des Verdächtigen seien eine "Vielzahl von pornografischen Darstellungen mit Unmündigen" mittels forensischer Software rekonstruiert worden, so die Anklagebehörde unter der Anmerkung, dass die Bilder kurz vor der Beschlagnahme (24. Juni) gelöscht worden waren.

Bis zu zwei Jahren Haft drohen

Der Priesterseminarist hat die Bilder höchstwahrscheinlich "in Polen aus dem Internet heruntergeladen oder von anderen Datenträgern kopiert". Da die Festplatte "vor und nach dem 1. Mai" vom Verdächtigen im Priesterseminar in dessen Computer verwendet wurde, drohen nach Ansicht der Anklagebehörde für das Delikt bis zu zwei Jahre Freiheitsstrafe.

Beschlagnahmter Rechner im Dezember

Es war jedoch nicht eruierbar, von wem die kinderpornografischen Webseiten mit dem bereits am 11. Dezember 2003 beschlagnahmten Rechner besucht wurden. Ebensowenig wie ein Verantwortlicher für die heruntergeladenen Daten auszumachen war. Das Strafverfahren werde daher "in diesem Bereich" weiterhin gegen unbekannte Täter geführt, da der Computer für alle Seminaristen zugänglich war. Bisher wurde gegen acht Seminaristen ermittelt, diese Untersuchungen wurden eingestellt. Ausdrücklich betont wird vom Leitenden Staatsanwalt, dass der 27-Jährige "nach den Erhebungen als Täter in Bezug auf den Computer des Seminars auszuschließen ist".

Bilder waren kein Hackerangriff

In jedem Fall ist die Herkunft der Daten von Außen zum Beispiel durch einen Hackerangriff auszuschließen, betont die Staatsanwaltschaft. Nemec teilte weiter mit, dass die Auswertung der Festplatten "besonders aufwändig" gewesen sei, "da mittels forensischer Computerprogramme sämtliche Bilddateien der Rechner, deren Anzahl in die Zehntausende ging, einer Prüfung unterzogen werden mussten".

Anonyme Anzeigen

Zu den beiden anonymen Anzeigen wegen direkten sexuellen Missbrauchs von Unmündigen aus dem Umkreis des Priesterseminars sind die Ermittlungen angelaufen. Die Vorfälle liegen bereits länger zurück und man könne noch wenig dazu sagen, erklärte der Staatsanwalt Walter Nemec.

Keine Erhebungen zu Kussfotos

Ausdrücklich betont wurde von Nemec, "dass homosexuelle Beziehungen zwischen Erwachsenen ohne Zwang oder Missbrauch eines festgestellten und gesetzlich bestimmten Autoritätsverhältnisses nicht weiter untersucht werden."(APA)

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