Arafat dreht Postenkarussell wieder zurück

20. Juli 2004, 13:48
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Alter Sicherheitschef wieder eingesetzt, Cousin bleibt

Ramallah - Arafat-Kritiker sprachen am Montag schon von einem "großen Sieg" und einer "notwendigen Korrektur", die vielleicht zur Beruhigung des Gazastreifens führen könnte, doch die Freudenkundgebungen über die vermutete Absetzung des unbeliebten neuen palästinensischen Sicherheitschefs Mussa Arafat waren verfrüht. Dessen Cousin, Palästinenserpräsident Yassir Arafat, hatte offenbar nur das Sesselkarussell etwas retour gedreht und den erst zwei Tage zuvor abgesägten Sicherheitschef für das gesamte Autonomiegebiet, Abdel-Rasek Madjaida, wieder in sein Amt zurückberufen.

Madjaida wäre damit theoretisch der Vorgesetzte Mussa Arafats, der aber auf seinem Posten verbleibt und praktisch weiterhin als eine Art Truppenkommandant im Gazastreifen das Sagen hätte.

Mehrstündiges Gefecht

Das Ganze sah nach einem Manöver aus, durch das Yassir Arafat die rauen Fatah-Milizionäre zu besänftigen und zugleich sein Gesicht zu wahren hoffte. In der Nacht zuvor hatten die Märtyrer-Brigaden wieder demonstriert, dass sie auch vor einem Bürgerkrieg nicht zurückschrecken würden und mit gut 150 maskierten Männern einen Kommandoposten Mussa Arafats in Rafah angegriffen. Bei dem mehrstündigen Feuergefecht wurden 18 Männer verletzt.

Dutzende Maskierte defilierten auch vor Mussa Arafats Büro im Flüchtlingslager Nusseirat und riefen "Nein zu Mussa Arafat, ja zur Reform". Am Montag kam es aber in Gaza auch zu einer Gegendemonstration von Arafat-Anhängern.

Eine Krisensitzung des Kabinetts in Ramallah brachte wieder keine Klarheit darüber, ob Premier Ahmed Korei weitermacht. Korei bestätigte, dass er "wegen des Zustands von Chaos und Gesetzlosigkeit" ein Rücktrittsgesuch unterbreitet habe, er habe aber von Arafat "keine schriftliche Antwort bekommen". Am Abend sollte eine Ministerdelegation Arafat aufsuchen, um eine Entscheidung über den Fortbestand der Regierung herbeizuführen. Laut Korei sollte ein Ministerausschuss ebenfalls noch am Montag nach Gaza fahren, um dort mit den rebellischen Fraktionen Kontakt aufzunehmen. (DER STANDARD, Printausgabe, 19.7.2004)

Von Ben Segenreich aus Tel Aviv
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    Mussa Arafat, der Cousin des Palästinenser-Präsidenten, wird nach Protesten im Gazastreifen wieder abgesetzt.

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