Verkehrsschilder-Streit: Rollende Mosaiksteine

19. Juli 2004, 11:17
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In Linz werden aus Radfahrern RadfahrerInnen - ein Kommentar von Daniel Glattauer

Der grüne Mobilitätsstadtrat von Linz hat auf Zusatztafeln für Verkehrsschilder der Landeshauptstadt das Binnen-I eingeführt. Jetzt sind dort Radfahrer auch RadfahrerInnen.

Er selbst äußert sich dazu zwiespältig. Einerseits spielt er die verdienstvolle Tat, die ihm bisher zwar die logische Anrainer-Kritik, aber keine einzige AnrainerInnen-Beschwerde einbrachte, herunter, indem er bescheiden behauptet: "Das war eine Angelegenheit von fünf Minuten."

Andererseits scheint er das Ende der Tragweite seiner Umwälzung noch gar nicht so recht in Worte kleiden zu können, wenn er vermeint: "Hier konnte ich einen Mosaikstein ins Rollen bringen." - Nicht böse sein, aber das glauben wir nicht: Mosaiksteine sind als Freunde der Ebenerdigkeit vom Wesen her flach und deshalb des Rollens nicht mächtig. Was wären das auch für traurige Mosaike, deren Steine nicht mehr eingesetzt, sondern gerollt werden. Aber der Politiker steht dazu. Er sagt: "Ich kann nur etwas umsetzen in einem Bereich, in dem ich auch etwas bewegen kann."

Egal. Jener Stadtrat Österreichs, der dieser Tage mehr geleistet hat für die sprachlich angewandte Frauenpolitik, der werfe den ersten Mosaikstein. (DER STANDARD, Printausgabe 19.07.2004)

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