Amnesty: Massenvergewaltigungen als Kriegswaffe in Darfur

21. Juli 2004, 19:04
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Menschenrechtsorganisation macht Regime in Khartum für Verbrechen

Nairobi - Die arabischen Janjaweed-Reitermilizen in der westsudanesischen Krisenregion Darfur (Darfour) haben in den vergangenen Monaten systematisch Hunderte von Mädchen und Frauen missbraucht. Massenvergewaltigungen würden gezielt eingesetzt, um die schwarzafrikanische Bevölkerung zu terrorisieren und aus ihren Dörfern zu vertreiben, heißt es in einem am Montag in Nairobi vorgestellten Bericht der Menschenrechtsorganisationen amnesty international (ai).

Die Menschenrechtsorganisation forderte die internationale Gemeinschaft auf, Vergewaltigung als Kriegsverbrechen ernst zu nehmen. Die betroffenen Frauen erlitten nicht nur körperliche und seelische Schäden, sondern würden auch häufig von ihrer Familie verstoßen. Amnesty hat das sudanesische Regime direkt für Verbrechen gegen die Menschlichkeit in der Konfliktregion verantwortlich gemacht. Die heute "schlimmste humanitäre Krise" sei durch Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit ausgelöst worden, für die die Regierung in Khartum verantwortlich sei.

Die Regierung in Khartum hatte sich nach den Besuchen von UNO-Generalsekretär Kofi Annan und US-Außenminister Colin Powell zur Entwaffnung der berittenen Milizen verpflichtet, die die schwarzafrikanische Bevölkerung terrorisieren und systematisch vertreiben. Nach Darstellung der deutschen Staatsministerin Kerstin Müller, die nach Darfur gereist ist, hält sich das sudanesische Regime nicht an die Zusage. Aussagen von Flüchtlingen über Bombardierungen deuteten darauf hin, dass die Angriffe immer noch von Khartum unterstützt werden. Sollten sich zudem Berichte bestätigen, dass die Milizen in die Armee und Polizei integriert werden, würde laut Müller die "internationale Gemeinschaft an der Nase herumgeführt".

Nach UNO-Angaben hält der Flüchtlingsstrom in den Nachbarstaat Tschad an. Bei den Flüchtlingen handle es sich vor allem um Frauen und Kinder, berichtete das Flüchtlingshochkommissariat der Vereinten Nationen (UNHCR) unter Berufung auf Nothilfeteams. In Darfur sind mittlerweile 1,2 Millionen Menschen auf der Flucht. Nach Angaben der Vereinten Nationen flohen etwa 200.000 in den Tschad; teilweise wurden sie von den Milizen über die Grenze verfolgt. Bis zu 30.000 Menschen wurden nach UNO-Schätzungen bisher getötet, Hunderte von Dörfern von den Milizen niedergebrannt. Die systematische Entvölkerung hängt offenbar mit den Erdölreserven der Region zusammen. (APA/dpa)

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