Datenschutz versus Bequemlichkeit

25. Juli 2004, 21:14
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Österreichische Forscher arbeiten an Modellen zur Lösung des Datenschutzproblems

Der Umgang mit standortbezogenen Daten war in Österreich lange Zeit nicht eindeutig geregelt. Erst mit einer Gesetzesnovelle 2003 wurde eine entsprechende Regelung gesetzlich verankert. Demnach dürfen nur anonymisierte Standortdaten verarbeitet werden, außer ihre Ermittlung basiert auf einer jederzeit widerrufbaren Einverständniserklärung.

Konsumentenschützer pochen jedoch darauf, dass bei jeder einzelnen Ortung zunächst das Einverständnis des Lokalisierten eingeholt werden müsste - was Ortungsdienste allerdings ad absurdum führen würde, meint Otto Petrovic, Chef des E-Business-Competence Centers Evolaris. "Wenn man dieses Service endlos verkompliziert, bedeutet das, dass es sich nicht durchsetzen wird", so Petrovic. Es sei bekannt, dass für den User die Bequemlichkeit das entscheidende Kriterium sei - nicht der Datenschutz. "Studien belegen, dass der Großteil der Bevölkerung schon für einen geringen Betrag bereit wäre, Standortdaten zur Verfügung zu stellen", so Petrovic.

Was die Überwachung der eigenen Kinder betrifft, so haben die Eltern zumindest bis zum 14. Lebensjahr der Kids alle Rechte, meint Evolaris-Rechtsexperte Markus Fallenböck. Aufgrund einer EU-Richtlinie seien die Regelungen europaweit ähnlich.

Für alle anderen, die unerwünscht lokalisiert oder überwacht wurden, gibt es seit kurzem auch gesetzlich verankerten Anspruch auf Schadenersatzzahlungen.

Anonymisierung

Damit es aber erst gar nicht zu Missbrauch kommt, arbeitet das Forschungszentrum Telekommunikation Wien (FTW) an verschiedenen Anonymisierungsmethoden. "Wir versuchen Anwendungen zu entwickeln, mit denen die Standortinformation von der Identität des Benutzers getrennt werden kann", erklärt Sandford Bessler, Key Researcher am FTW. Das Problem sei, dass die gängigen Applikationen in der Lage wären, Bewegungsprofile und "Histories" von Einzelpersonen zu erstellen. "Wenn es gelingt, dieses datenschutzrechtliche Problem zu eliminieren, könnten der LBS-Markt endlich auch für Dritte geöffnet werden." Derzeit wären die Anbieter von LBS-Diensten meist ident mit den Mobilfunkprovidern, die sich an rigide Auflagen zu halten hätten. (ansl/DER STANDARD, Print-Ausgabe, 19. 7. 2004)

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