Geldanlage auf hoher See

16. September 2004, 09:57
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Seit dem Ende der Monarchie hat Österreich mit der Hochseeschifffahrt nicht viel am Hut, für Kapitalanleger sollte sich das allerdings ändern

Wien - Attraktive Renditen locken bei Schiffen. Risken gibt es freilich auch. Basis ist der stetig steigende Welthandel - Stichwort Asien. Er hat in den letzten Jahren einen wachsenden Bedarf an neuen Transportkapazitäten ausgelöst.

Überproportional profitiert hat dabei die Schifffahrt, was einen norwegische Reeder zu der Behauptung führte: "Gott muss ein Schiffseigner gewesen sein, er platzierte die Rohmaterialien weit weg von den Orten, an denen sie gebraucht werden und bedeckte die Welt zu zwei Dritteln mit Wasser." Auf dem Seeweg lassen sich Waren aller Art äußerst kostengünstig transportieren. Was freilich immer modernere, schnellere, effizientere Spezialschiffe erfordert.

Die müssen erst finanziert werden. Für deutsche Anleger eine vertraute Sache (geschätztes Volumen 15 Mrd. ¤), in Österreich noch weit gehend unbekannt, weil die bisher oft üblichen Verlustbeteiligungsmodelle in Österreich steuerlich nicht nutzbar waren.

Deutsche Tonnagesteuer nutzen

Jetzt ergibt sich auf Basis der deutschen Tonnagesteuer, die durch das geltende Doppelbesteuerungsabkommen auch österreichischen Anlegern zu Gute kommt, eine neue Perspektive. Grundsätzlich ist wichtig festzuhalten, dass es sich hier um langfristige Investitionen, meist über einen Zeitraum von zehn bis 20 Jahren handelt. Also keinesfalls geeignet für Anlage von Geldern, die kurzfristig wieder verfügbar sein müssen.

Die Rendite hängt von mehreren Faktoren wie Dauer der Fix-Charter, Entwicklung der Charter-Raten, Finanzierung des Schiffskaufpreises, Zins-und Währungssituation ab. Da liegen auch die hauptsächlichen Risken. Also lohnt sich ein genaueres Studium der umfangreichen Prospekte. Wichtiger Bestandteil der Gesamtrendite ist der Verkaufserlös der Schiffe gegen Ende der geplanten Laufzeit.

50 Prozent unter Planrendite

Experten schätzen übrigens, dass 50 Prozent der Beteiligung unter der Planrendite liegen, was nicht zuletzt mit den Verlustbeteiligungsmodellen zusammenhängt. Immerhin hat eine Auswertung von fast 700 in Deutschland laufenden Schiffsfonds eine durchschnittliche Performance von sieben Prozent ergeben.

Derzeit werden am österreichischen Markt zwei verschiedene Modelle angeboten: Die HCI-Gruppe, einer der führenden deutschen Anbieter, hat von ihrem Renditefonds IV eine spezielle Österreich-Tranche aufgelegt. Die Spezialität dabei: Es handelt sich um einen Dachfonds, der in zwölf Schiffe verschiedener Klassen investiert. Zunächst in Form einer "Stillen Beteiligung", die nach einem Jahr in eine Kommanditbeteiligung umgewandelt wird, um die Vorteile der Tonnagesteuer zu lukrieren.

Die Schiffe sind alle bereits gekauft, in Betrieb und längerfristig verchartert. Die Ausschüttung soll bereits im ersten Jahr fünf Prozent betragen, nach Wandlung der Stillen Beteiligung in Kommanditkapital auf sieben bis elf Prozent steigen. Laufzeit 15 Jahre. Mindestbeteiligung 10.000 ¤, wozu noch ein Agio von fünf Prozent kommt.

Für Österreich ist noch Volumen verfügbar

Michael Katscher vom österreichischen Vertriebspartner Dialog und Konzept: "Die deutsche Tranche des Fonds ist schon geschlossen, aber für Österreich ist noch Volumen verfügbar." MPC Münchmeyer Petersen Capital Austria bietet die Beteiligung an der MS Miro Star, einem der modernsten Vollcontainerschiffe, an.

Das Schiff soll 2005 ausgeliefert werden und ist ab Inbetriebnahme für 15 Jahre fix an die P&O Nedlloyd verchartert. Die Ausschüttungen sollen mit acht Prozent jährlich beginnen und laut Prognose-rechnung bis auf 24 Prozent ansteigen. Fondslaufzeit 18 Jahre. Mindestbeteiligung: 10.000 ¤.

Die von Anbietern wie Fondshaus Hamburg oder Dr. Peters in Deutschland angebotenen Beteiligungen kommen für Österreicher nur nach entsprechender Steuerberatung infrage. (Nikolaus Dolenz/DER STANDARD Printausgabe, 19.07.2004)

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    Der wachsende Welthandel verlangt nach ständig höheren Transportkapazitäten auf hoher See. Ein Thema auch für heimische Anleger.

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