Jetzt auch Managergehälter im Gespräch

19. Juli 2004, 16:07
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Politiker rufen dazu auf, "mit gutem Beispiel voranzugehen" - Daimler-Vorstand stellt Gehaltsverzicht in Aussicht

Hamburg - In der wochenlangen Diskussion um längere Arbeitszeiten und Einschnitte für Arbeitnehmer in Deutschland rücken nun auch die Millionengehälter der Spitzenmanager in den Blickpunkt. Politiker verschiedener Parteien riefen Vorstände auf, als Signal an die Belegschaft auf einen Teil ihrer Einkommen zu verzichten.

Medienberichten zufolge bietet der DaimlerChrysler-Vorstand um Konzernchef Jürgen Schrempp einen Einkommensverzicht von bis zu zehn Prozent an. Die Debatte um Vorzüge und Nachteile längerer Wochenarbeitszeiten geht unterdessen unvermindert weiter.

"Mit gutem Beispiel vorangehen"

Der rheinland-pfälzische Ministerpräsident und stellvertretende SPD-Vorsitzende Kurt Beck sagte in der "BILD am Sonntag" mit Blick auf entsprechende Maßnahmen des Lufthansa-Vorstands im Jahr 2001: "Die Manager in den oberen Etagen sollten mit gutem Beispiel vorangehen und so wie bei Lufthansa damals auf zehn Prozent ihres Gehalts verzichten. Es wäre ein Signal an die Arbeitnehmer."

FDP-Chef Guido Westerwelle betonte: "Was man von Arbeitnehmern verlangt, müssen auch Wirtschaftsführer sich selbst zumuten." Ähnlich äußerte sich auch CDU-Vize Christoph Böhr. Arbeitgeberpräsident Dieter Hundt sagte, die Topmanager müssten in jeder Hinsicht ein Vorbild sein.

SPD-Chef Franz Müntefering lieferte sich einen Schlagabtausch mit der Arbeitgeberseite. Die Konzernchefs wollten die Gunst der Stunde nutzen, um die Arbeitnehmer zu knebeln, sagte er gegenüber der "Berliner Zeitung". Der Präsident des Arbeitgeberverbandes Gesamtmetall, Martin Kannegiesser, warf ihm daraufhin im "Tagesspiegel" (Montag-Ausgabe) Industriefeindlichkeit vor.

"Arbeitnehmer wie eine Zitrone auspressen"

Der Vorsitzende der deutschen Gewerkschaft IG Metall, Jürgen Peters, kritisierte die Topmanager erneut scharf: "Sie glauben, die Probleme ausschließlich in den Griff zu kriegen, indem sie die Arbeitnehmer auspressen wie eine Zitrone."

Schrempp und seine Vorstandskollegen hätten einen Gehaltsverzicht von bis zu zehn Prozent angeboten, berichteten die "BILD am Sonntag" und die "Berliner Morgenpost". Die Schätzungen über Schrempps Jahresgehalt reichten dabei von 7,5 bis 10,8 Millionen Euro. DaimlerChrysler will bei der neuen C-Klasse von 2007 an 500 Millionen Euro pro Jahr einsparen und droht mit der Verlagerung der Produktion von Baden-Württemberg nach Bremen und Südafrika.

Deutsche Hausgeräte-Hersteller wie Bosch Siemens und AEG forderten unterdessen eine Verlängerung der Arbeitszeit. "Wir müssen wieder zur 40-Stunden-Woche kommen", sagte der Geschäftsführer bei der Bosch und Siemens Hausgeräte GmbH (BSH), Wolfgang Dowie, gegenüber dem "Tagesspiegel am Sonntag". Seit der Einführung der 35-Stunden-Woche in der westdeutschen Metallindustrie vor knapp zehn Jahren habe sich die Welt "dramatisch verändert". (APA/dpa)

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