Boom der Hedgefonds gefährdet ihre Erträge

22. Februar 2005, 20:13
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Weltweit fließen Milliarden in die Branche - Eine Analyse von Karin Bauer

Wien - Diskretionär, hochriskant und himmlisch ertragreich: Der Mythos Hedgefonds ist für Anleger eine unwiderstehliche Versuchung. Täglich entstehen Dutzende neue solcher Fonds.

Konventionelle Fondsmanager trennen sich vom Geldverdienen für ihre Bank und arbeiten lieber auf eigene Rechnung mit eigenem Hedgefonds. Sie dürfen, was konventionellen Geldmanagern verboten ist, müssen darüber kaum Auskunft geben, streifen hohe Gebühren ein - und versprechen im Gegenzug zweistellige Gewinne.

Die Fondsmanager dürfen auf fallende Kurse unbeschränkt Gewinn bringend wetten wie auf Kreditausfälle oder anderes Gift für die herkömmlichen Märkte. Daraus ergibt sich auch das Risiko, das mit der Milliardenpleite des LTCM-Fonds 1998 im Gedächtnis sitzt. Eine mögliche bevorstehende Registrierung der Fonds bei der US-Börsenaufsicht wird das nicht mildern.

"Depotstabilisator" und "absolute-return statt Fieberkurvenerträge", lauten die Verkaufargumente der heimischen Kapitalanlagegesellschaften, die derzeit reihum Hedge-Dachfonds auf den Markt bringen und damit zwischen acht und zwölf Prozent jährliche Erträge versprechen.

Zudem würde die Dachkonstruktion mit dem Investment in verschiedene Hedgefondsstile das Risiko streuen: Geht bei den Short-Sellern nichts, dann können die Arbitrageure oder die Merger-Wetten die Performance bringen. So weit so gut.

Beunruhigend ist allerdings der massive Geldzufluss zu den liebevoll "Hedgies" genannten Fonds und die daher berechtigte Annahme, dass sich die Hedgefonds von einer lukrativen alternativen zu einer breit demokratisierten konventionellen Anlageklasse entwickeln.

Ergebnis: Weniger Ertrag, denn wenn immer mehr Geldmanager dasselbe tun - Marktineffizienzen ausnutzen - dann wird das Spektrum immer enger. Auf der konventionellen Seite bleiben zu wenig Marktfehler über.

Ergebnis für die Herrscharen von Kleinanlegern, die derzeit investieren: Mit den Erträgen wird es mager ausschauen. Vor allem angesichts der hohen laufenden Kosten für Kleinanleger und der 20- bis 30-prozentigen Performance-Fees für die Manager. Die marginale Performance heuer könnte diesen Trend schon einläuten.

Die Historie: Vor fünf Jah- ren gab es ein paar Dutzend Hedgefonds, reserviert für wirklich Reiche mit großen Investments. Jetzt sind etwa 8000 Fonds auf dem Markt (dazu kommen noch die Dachfonds), das Anlagevolumen dürfte bei fast einer Billion Dollar liegen.

Allein im ersten Quartal sind laut Tremont diesen Fonds 38 Mrd. Dollar zu geflossen. Pensionsfonds steigen nämlich auf verzweifelter Ertragssuche in Europa massiv in Hedgies ein. Viele gute Fonds nehmen kein Geld mehr an oder geben es den Investoren zurück - Größe ist in diesem Bereich hinderlich. (DER STANDARD Printausgabe, 19.07.2004)

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