Diktiersysteme "Made in A" bringen Philips "gutes Geld"

28. Juli 2004, 11:18
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1954 wurde in Wien das erste Diktiergerät des niederländischen Elektronikkonzerns Philips entwickelt und hergestellt - Ein Nischenmarkt, mit dem nach wie vor gutes Geld verdient wird

Wien - Die Bedeutung von Österreich als Produktionsstandort hat für den niederländischen Elektronikkonzern prinzipiell an Bedeutung verloren. Beispiele dafür sind die für das dritte Quartal dieses Jahres angekündigte Schließung der Beamer-Produktion (Fronprojektoren) oder die des Bildröhrenwerks im steirischen Lebring vor zwei Jahren.

Doch in einigen Bereichen zeigt der Konzern Beharrlichkeit in Sachen Österreich. Einer davon ist Philips Dictation Systems, der indirekt auf eine lange Geschichte hier zu Lande zurückblicken kann. Seit mehr als 50 Jahren werden am Standort Wien Tonaufnahmegeräte und -Zubehör produziert.

80 Mitarbeiter

Die klassischen Tonbandgeräte und Kassettenrekorder gehören zwar der Vergangenheit an. Ebenso wie bald die Audio- und Videogeräte und -Kassetten, die sukzessive MP3-Playern und DVD-Geräten weichen. Geblieben sind jedoch die Diktiersysteme, die nach wie vor mit etwa 80 Mitarbeitern im zehnten Wiener Gemeindebezirk gefertigt werden.

Rund 1,2 Millionen professionelle Diktiergeräte werden jährlich weltweit verkauft. Philips ist den Angaben zufolge mit 30 Prozent Anteil Marktführer. Der Verkaufspreis für analoge Geräte bewegt sich zwischen 100 und 250 Euro, digitale Geräte kosten zwischen 200 und 400 Euro. "Auch wenn das nur ein Nischenmarkt ist - wir verdienen gutes Geld in diesem Geschäft, und das gilt für alle Spieler in diesem Markt", so Viktor Aquina, General Manager Dictation Systems bei Philips.

Made in A

"Unsere Produkte sind ,Made in A', die der Konkurrenz in Asien", betont Aquina. Österreich biete eine gute Basis an Förderungen, gute und qualifizierte Mitarbeiter. "Wir sind erfolgreich. Die Standortfrage wird daher nicht gestellt."

Diktiersysteme sind auch in einer anderen Hinsicht für Philips ein beharrlicher Markt. So überrascht die Tatsache, dass im "digitalen Zeitalter" derzeit noch 60 Prozent dieser Geräte auf analogen Technologien basieren und damit das "alte" und physische Speichermedium Tonbandkassette verwenden.

"Berufsgruppen wie Ärzte, Rechtsanwälte, Architekten etc., die vornehmlich Diktiersysteme verwenden, sind in dieser Hinsicht recht konservativ und wenig technophil. Im kommenden Jahr werden aber erstmals mehr digitale als analoge Produkte verkauft werden", so Aquino

Bei digitalen Geräten können die gesprochenen Texte entweder auf den PC gespeichert und bei Bedarf via Internet versendet werden. Zum Beispiel, um "irgendwo" in einem Schreibbüro wieder zu Papier gebracht zu werden.

Spracherkennung

Der nächste Entwicklungsschritt in Sachen Diktieren heißt Spracherkennung und damit das unmittelbare Diktieren in einen PC. Vor einem Abheben dieses Marktes sei man aber noch sehr weit entfernt, meint Aquino. Derzeit seien erst ein Prozent der von Philips verkauften Geräte mit Spracherkennung ausgerüstet.

Erste erfolgreiche Ansätze gibt es hier vor allem in jenen Bereichen, in denen eine Arbeitssprache mit einem "eingeschränkten" Vokabular verwendet wird, wie etwa bei medizinischen Befunden.

"Es braucht hier noch viel technologische Entwicklung, mit den digitalen Produkten versuchen wir das Fundament dafür vorzubereiten". (Karin Tzschentke/DER STANDARD Printausgabe, 19.07.2004)

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