ÖBB-Beraterhonorare von acht auf über 20 Millionen Euro gestiegen

28. Juli 2004, 11:39
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Reformen und Sparprogramm "Power 2005" waren gutes Geschäft für Consulter - Grüne: "Fall für den Rechnungshof"

Wien - Die ÖBB sind in den vergangen beiden Jahren ein sattes Geschäft für Unternehmensberater geworden. Seit dem Wechsel im Vorstand 2001 haben sich die Beratungshonorare bei den Bundesbahnen kräftig erhöht - konkret um 154 Prozent, wie ein Sprecher des Unternehmens auf APA-Anfrage bestätigt hat. Gemessen an konstanten Consultingausgaben von um die 8 Mio. Euro per anno 2000 und 2001 heißt das, dass die Berater an den ÖBB im Vorjahr mehr als 20 Mio. Euro verdient haben. Die Gewerkschaft spricht von einer "explosionsartigen Steigerung".

Berater für Reformen und Sparprogramm "Power 2005"

Berater beigezogen wurden laut Unternehmensführung zum einen für die ÖBB-Struktur- und Dienstrechtsreform, zum anderen auch für das bereits eingeleitete Sparprogramm "Power 2005". Rechtsberatung habe man außerdem für die Abwicklung von Baugeschäften und 2003 auch wegen der Streiks benötigt. Der Anstieg sei daher nicht unbegründet, so der Unternehmenssprecher.

Haberzettel: "Unverständlich"

Eisenbahner-Gewerkschaftschef Wilhelm Haberzettl übt dennoch herbe Kritik. Die gestiegenen Beraterkosten seien umso unverständlicher, als in der Infrastruktur nach der Reform eine Finanzierungslücke von 400 Mio. Euro klaffe und auch die Vorstandskosten deutlich gestiegen seien. Laut Geschäftsbericht 2003 haben die vier ÖBB-Vorstände Rüdiger vorm Walde, Erich Söllinger, Ferdinand Schmidt und Alfred Zimmermann im Vorjahr zusammen 1,5 Mio. Euro verdient - weil Söllinger erst mit Mai 2003 in den Vorstand eingetreten ist, ein Zuwachs um rund 300.000 Euro gegenüber 2002. ÖBB-Generaldirektor Rüdiger vorm Walde verdient laut Medienberichten inklusive Bonus knapp 486.000 Euro brutto im Jahr.

"ÖBB neu" mit 16 statt 7 Vorständen

Durch die ÖBB-Reform, wettert der Gewerkschafter, würden die Managementkosten noch einmal deutlich steigen. Statt bisher sieben Bahnmanagern werde es in der "ÖBB neu" künftig 16 Vorstände und Geschäftsführer geben. Haberzettl spricht von einer "empörenden Zwischenbilanz der Bahnreform".

Vorstand und Gewerkschaft waren wegen der zwangsweisen Frühpensionierung von Personalchef Wolfgang Moldaschl schon vergangenen Freitag zusammengekracht. Der Gewerkschafter spricht dem Vorstand die Kompetenz ab und hat vorerst jegliche personalrelevanten Verhandlungen abgebrochen. Das "Chaos im ÖBB-Vorstand", meinte er, erfordere "Konsequenzen". Im ÖBB-Vorstand sei "weder Sachkenntnis noch jenes Maß an Führungsqualität vertreten, wie es man es bei einem Unternehmen dieser Größenordnung eigentlich erwarten müsste", so Haberzettl am Freitag.

"ÖBB: "Beitrag zur Ergebnisverbesserung"

"Beraterleistungen werden in Anspruch genommen, wenn sie notwendig und sinnvoll sind und eine Investition in die Zukunft des Unternehmens darstellen", heißt es in einer Stellungnahme der ÖBB zur Kritik der Eisenbahnergewerkschaft.

Als Beispiel führt das Unternehmen das Programm "Power 2005" an, das langfristig einen Beitrag zur nachhaltigen Ergebnisverbesserung von 290 Mio. Euro pro Jahr bringen wird. Im Bilanzjahr 2003 konnten davon bereits 36 Mio. Euro realisiert werden.

Grüne: "Fall für den Rechnungshof"

"Diese Beraterhonorare sind ein klassischer Fall für den Rechnungshof", so der Vorsitzende des Rechnungshofausschusses und Grün-Abgeordnete, Werner Kogler, zu den nun bekannt gewordenen Beraterhonorare der ÖBB. "Derartige Beraterverträge sind bereits der Kontrollklassiker dieser schwarz-blauen Bundesregierung."

Der Grüne Vorsitzende im Rechnungshofausschuss fordert den Rechnungshof auf, diese Beraterverträge in der ÖBB zu überprüfen. "Dies ist gleichzeitig auch die Nagelprobe für den neuen Rechnungshofpräsidenten, der bisher selbst in der ÖBB aktiv war", so Kogler. (APA)

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