Rom dürfte in der Causa Krenn bald aktiv werden

18. Juli 2004, 19:54
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Dossier bereits morgen auf dem Schreibtisch des Papstes - Krenn bleibt weiter gelassen - Staatsanwalt nimmt Stellung zu Sex-Affäre

Wien/St. Pölten - In der Causa Krenn erwarten Kirchen-Insider eine rasche Reaktion Roms. Der Papst könnte sich bereits am Montag des Falls annehmen. Der St. Pöltner Diözesanbischof Kurt Krenn bleibt indes weiter gelassen und bezeichnet die Sache als "Mache" der Medien. Auch die weltlichen Behörden sind aktiv: Der Staatsanwalt hat für morgen eine Stellungnahme zum Polizeibericht über die Sex-Affäre im St. Pöltner Priesterseminar angekündigt. Angeblich wurden auf mehreren PCs von Priesterseminaristen kinderpornografische Bilder gefunden.

Auf dem Schreibtisch des Papstes

"Eines der ersten Dossiers, die morgen auf dem Schreibtisch des Papstes landen, dürfte zum Fall Krenn sein", so ein Kirchen-Insider am Sonntag gegenüber der APA. Papst Johannes Paul II. ist am Samstag von seinem Sommerurlaub im norditalienischen Aosta-Tal nach Rom zurückgekehrt. Die Berichte über den Sex-Skandal im Priesterseminar von St. Pölten sind jedenfalls auch im Vatikan längst zum Topthema geworden. Vor allem das Verhalten des zuständigen Diözesanbischofs Krenn sorgt bei den Verantwortlichen in Rom für Irritationen. Offiziell hat sich die Kirchenführung bisher nicht zu dem Fall geäußert. "Wir verfolgen mit großer Aufmerksamkeit die Situation", so der stellvertretende Vatikan-Sprecher Ciro Benedettini laut dpa.

Krenn: "Das ist die große Mache der Publizistik"

Krenn demonstriert hingegen weiter höchste Gelassenheit: Der "OÖ Rundschau" erzählte er, dass sich der Vatikan bei ihm noch nicht gemeldet habe. "Das ist auch nicht üblich", so Krenn. "Die Leute haben so eine derartige Selbstüberschätzung. Für Rom ist die Gewichtigkeit eine andere als für uns. Es ist ja gar nichts. Vielleicht waren irgendwie, irgendwo ein Homosexueller oder ein anderer schlimmer Bursche dabei. Mehr ist nicht bekannt. Der Rest ist alles Mache. Das ist die große Mache der Publizistik."

Diözesanbischof fordert Untersuchung von außen

Der Innsbrucker Diözesanbischof Manfred Scheuer fordert im Zusammenhang mit dem Sex-Skandal im Priesterseminar St. Pölten eine Untersuchung "mit klarem Blick und ohne Vertuschung. Es wäre gut, wenn die Instanzen von außen kommen", so Scheuer im "profil".

Scheuer kritisiert, die Verantwortlichen in St. Pölten hätten in der Priesterausbildung "bestimmte Kriterien, die die menschliche Reife anlangen, nicht so beachtet, wie es notwendig gewesen wäre." Mit der Weigerung Krenns, seine Seminaristen in das gesamtösterreichische Vorbereitungsjahr zu schicken, habe man "einen insgesamt guten Weg verlassen."

Der Bischof unterstreicht die Tatsache, dass es sich um ein gesamtösterreichisches Problem für die Kirche handle. Die Bischöfe könnten allerdings "nicht einfach in eine andere Diözese hineinregieren". Diese Verantwortung liege bei Rom. Angesprochen auf die Aussage des St. Pöltner Bischofs Kurt Krenn, die Vorfälle gingen die Bischofskonferenz "einen Dreck an", reagiert Scheuer mit Befremden. Krenn zeige selbst "eine gewisse Opposition" zu den übrigen Bischöfen.

Schüssel: "Rasche Aufklärung!"

Am Wochenende gab es erstmals auch mehrere Stellungnahmen von politischer Seite zu dieser Causa. So erklärte Bundeskanzler Wolfgang Schüssel (V), als Katholik wünsche er sich eine "rasche und rückhaltlose Aufklärung". Die Kirche habe den Auftrag, bestimmte Prinzipien vorbildlich zu leben. Daher hätten "die Betroffenen und die Verantwortlichen zu handeln und sie haben das im Sinne der Wahrheitssuche und im Sinne einer zügigen Aufklärung zu tun".

Gusenbauer: "Ruf der Kirche leidet Schaden"

Für den ebenfalls bekennenden Katholiken Alfred Gusenbauer gibt es in der Affäre zwei Aspekte: einerseits den strafrechtlichen relevanten, "dann haben die Behörden tätig zu sein", so der SPÖ-Chef. "Die zweite Komponente ist, dass der Ruf der Kirche durch solche Vorgänge, wenn sich diese bestätigen, enormen Schaden erleidet."

Van der Bellen: "Unglaubwürdigkeit steigt"

Auch der Grüne Aundessprecher Alexander Van der Bellen meinte, man müsse unterscheiden zwischen den kirchlichen Angelegenheiten, "wo ich mich als Nichtkatholik nicht einmische", und dem, was strafrechtlich relevant sei, wie das Herunterladen von Kinderpornos. Generell sollte gelten, dass "Sexualität unter Bürgern etwas Schönes ist. Wenn die Kirche das anders hält, ist ihr das unbenommen. Aber dann sollte sie nicht Wasser predigen und Wein trinken. Da steigt die Unglaubwürdigkeit".

Bereits am vergangenen Donnerstag hatte Bundespräsident Heinz Fischer gemeint, er sei "betrübt und betroffen" gewesen, als er von den Vorfällen am St. Pöltner Priesterseminar erfahren habe. Stellungnahmen wie jene des steirische Diözesanbischof Egon Kapellari ("Sumpf schleunigst trockenlegen") würden "in die richtige Richtung weisen", so das Staatsoberhaupt.

Krenn hat am Sonntag in einem "Krone"-Interview auf diese Fischer-Stellungnahme reagiert: "Der Bundespräsident tut mir leid. Man merkt, dass er in kirchlichen Dingen nicht so erfahren ist. Da kennt er sich zu wenig aus." (APA)

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