Iran bestreitet Kooperation mit Terroristen vom 11. September

20. Juli 2004, 12:41
34 Postings

El-Kaida-Mitglieder möglicherweise "Aufmerksamkeit iranischer Grenzwächter entgangen"

Teheran - Die Regierung des Iran hat den Vorwurf zurückgewiesen, sie habe nach dem Sturz der Taliban in Afghanistan heimlich mit El-Kaida-Extremisten kooperiert. Ein Sprecher des Außenministeriums in Teheran räumte am Sonntag aber ein, möglicherweise sei die Einreise einiger El-Kaida-Mitglieder kurz vor den Anschlägen vom 11. September 2001 der Aufmerksamkeit der iranischen Grenzwächter entgangen.

Dass einige der damaligen Attentäter sich vor den Flugzeug-Anschlägen vorübergehend auch im Iran aufgehalten haben, soll aus dem Bericht der US-Expertenkommission hervorgehen, der in der kommenden Woche in den USA veröffentlicht wird.

Iran nahm zahlreiche Bin-Laden-Anhänger fest

Der Iran hat nach eigenen Angaben zahlreiche einheimische Anhänger des Moslem-Extremisten Osama bin Laden festgenommen. Der Geheimdienst habe einige Ableger der El-Kaida-Organisation identifiziert und ihre Mitglieder verhaftet, sagte Geheimdienstminister Ali Yunesi im staatlichen Fernsehen am Samstag. Yunesi kündigte an, seine Regierung werde weiter hart gegen alle militanten Moslems vorgehen, die den Iran als Basis für Anschläge nutzen wollten.

Der Iran hat nach eigenen Angaben seit den Anschlägen vom 11. September Hunderte mutmaßliche El-Kaida-Anhänger festgenommen und in ihre Heimatländer ausgewiesen. Die USA werfen dem Iran vor, mit El-Kaida-Kämpfern, die seit dem Sturz der radikal-islamischen Taliban in Afghanistan Ende 2001 in das Nachbarland geflohen seien, zusammengearbeitet und ihnen Unterschlupf geboten zu haben. Der Iran hat dies bestritten.

Die US-Kommission, die die Anschläge vom 11. September 2001 untersucht, wird in ihrem Bericht informierten Kreisen zufolge erwähnen, dass einige der der El Kaida zugerechneten September-Attentäter auf ihrem Weg in die USA durch den Iran gekommen seien, hieß es in den USA. Allerdings gebe es keine Hinweise, dass der Iran den Attentätern bei den Anschlägen auf das World Trade Center in New York und das Verteidigungsministerium bei Washington geholfen habe. Bei den Anschlägen starben damals über 3000 Menschen.

"Illegale Grenzgänger nichts Ungewöhnliches

Der Sprecher des Außenministeriums in Teheran sagte, angesichts der langen Wüstengrenze sei es nichts Ungewöhnliches, wenn fünf oder sechs Personen in einem Zeitraum zwischen fünf oder sechs Monaten illegal über die Grenze gekommen und dabei der Wachsamkeit der iranischen Kontrollen entgangen seien. "Das war vor dem 11. September, und wer konnte damals schon wissen, dass es diesen 11. September geben würde?" sagte er. Der Iran nehme die Bekämpfung von Extremisten und Terroristen sehr ernst, betonte der Ministeriumssprecher. Die jüngsten Vorwürfe seien nichts als Propaganda der USA im Präsidenten-Wahljahr.

Über viele Jahre hin wurde der Iran von Anti-Terror-Experten in den USA auf die Liste der Terrorismus-Förderländer gesetzt. (APA/Reuters)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Der Iran dementiert Kontakte zur El Kaida.

Share if you care.