Cap-Anamur-Leute wieder in Deutschland

18. Juli 2004, 18:46
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Italienischer Richter hält Vorwurf der Beihilfe zur illegalen Einwanderung aufrecht - Asylgesuche der Flüchtlinge abgewiesen

Rom - Die drei aus der Haft entlassenen Mitarbeiter der Hilfsorganisation Cap Anamur haben sich am Samstag von Sizilien aus auf die Heimreise nach Deutschland gemacht. Cap-Anamur-Leiter Elias Bierdel, der Schiffskapitän und der Erste Offizier waren am Vortag nach fünftägiger Untersuchungshaft freigekommen. Der zuständige Richter hielt jedoch die Vorwürfe der Beihilfe zur illegalen Einwanderung aufrecht. Auch das Schiff, das 37 afrikanische Flüchtlinge nach Italien gebracht hatte, blieb beschlagnahmt.

Kritik an Cap Anamur

Der Gründer der Hilfsorganisation, Rupert Neudeck, übte indes heftige Kritik an seinen Nachfolgern an der Spitze von Cap Anamur: "Es wäre besser gewesen, mit den 37 Geretteten nach Hamburg oder Lübeck zu fahren, um sie dort an Land zu bringen, als sie mit drohender Gebärde an der Küste Siziliens in einen italienischen Hafen zu zwingen", sagte er "Spiegel online". Im ZDF wollte er nicht ausschließen, dass die spektakuläre Rettung von Bootsflüchtlingen zumindest teilweise für die Medien inszeniert wurde.

Asylgesuche der Flüchtlinge abgewiesen

Italien hat die Asylgesuche der 37 Afrikaner abgewiesen, die am Montag an Bord des deutschen Hilfsschiffes "Cap Anamur" Sizilien erreicht hatten. Dies berichtete die italienische Nachrichtenagentur ANSA am Samstag unter Berufung auf Informationen aus dem Innenministerium in Rom. 14 Flüchtlinge seien bereits in ein Flüchtlingslager nahe Rom gebracht worden, von wo sie in ihre Heimatländer abgeschoben werden sollen.

Dort wurden sie von italienischen Politikern und Anwälten besucht, die ein Berufungsverfahren gegen die Ablehnung der Asylgesuche anstreben. Sie verlangen die Freilassung der Asylbewerber, da das italienische Verfassungsgericht die im Einwanderungsgesetz vorgesehene Abschiebepraxis für unzulässig erklärt hat.

22 weitere Flüchtlinge seien noch auf Sizilien und hätten Aussicht auf Gewährung von "humanitärem Schutz" in Italien, schrieb ANSA. Die Stadt Venedig hatte bereits am Freitag angeboten, die "Cap Anamur"- Flüchtlinge aufzunehmen. Über das Schicksal eines weiteren Afrikaners sei noch keine Entscheidung gefallen, weil dieser behaupte, minderjährig zu sein, berichtete die Agentur. Nach Angaben der italienischen Behörden stammen die Männer nicht wie zunächst von ihnen angegeben aus der sudanesischen Krisenprovinz Darfur, sondern aus Nigeria, Niger und Ghana. (APA/red)

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    Der Schiffs-Kapitän Stefan Schmidt (links) und sein Sohn Felix in der Halle eines Hotels in Agrigento.

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