Protestaktionen bei DaimlerChrysler gehen weiter

22. Juli 2004, 09:11
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In Sindelfingen und Untertürkheim komplette Schichten ausgefallen

Stuttgart - Die Protestaktionen beim DaimlerChrysler-Konzern sind auch am Samstag fortgesetzt worden. In den Werken Sindelfingen und Untertürkheim fielen komplette Schichten aus, nachdem der Betriebsrat aus Protest gegen die Haltung der Konzernspitze die Zustimmung zu den Überstunden verweigert hatte. In Sindelfingen hätten am Samstag 12.000 und in Untertürkheim 2.500 Beschäftigte arbeiten sollen. Allein in Sindelfingen entfällt durch den Schichtausfall nach Angaben des Gesamtbetriebsrats die Produktion von rund 1.000 Fahrzeugen.

Die Konzernspitze droht mit dem Wegfall von 6.000 Stellen im Werk Sindelfingen, falls Einsparungen in Höhe von 500 Millionen Euro nicht erbracht werden. In dem Fall soll die neue C-Klasse in Bremen und Südafrika produziert werden. Die Produktion in Sindelfingen ist für den Konzern wegen höherer Schichtzulagen und anderer Pausenregeln teurer als in Bremen.

Keine Überstunden

Die Sprecherin des Betriebsrats in Untertürkheim, Alexandra Wolf, wenn jetzt Arbeitsplätze in Gefahr seien, gebe es keinen Grund, dass die Beschäftigten auch noch Überstunden am Samstag machten. Die Zahl der Fahrzeuge, die wegen der Nichtarbeit der an diesem Tag 2.500 vorgesehenen Beschäftigten in Untertürkeim nicht hergestellt werden, konnte sie nicht beziffern, da es sich nicht allein um Arbeiter aus der Produktion, sondern auch Angestellte aus der Verwaltung und anderen Bereichen handelte.

Am Freitag hatte der deutsche Bundeskanzler Gerhard Schröder an die Beteiligten appelliert, den Konflikt bei DaimlerChrysler beizulegen. Er warnte in einem N24-Interview vor einem Verfall des jahrzehntelangen Miteinanders von Unternehmen und Gewerkschaften. Schröder sagte in dem Fernsehinterview, er betrachte den Konflikt um kürzere Arbeitszeiten bei DaimlerChrysler als "Beispiel für den Verlust einer Kultur", die er schätze. Er riet beiden Seiten zur Rückkehr zu alten Gepflogenheiten, "auf die ich weiterhin setze: nämlich dass man sich nicht öffentlich beschimpft und schon gar nicht erpresst". (APA)

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