US-Experten für Spitzenposten zur Kontrolle der Geheimdienste

18. Juli 2004, 10:36
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Funktion des bisherigen CIA-Chefs soll hingegen eingeschränkt werden

Washington - Als Konsequenz aus Ermittlungspannen im Vorfeld der Anschläge vom 11. September 2001 wird die zur Aufklärung eingesetzte US-Expertenkommission einem Bericht der "New York Times" vom Samstag zufolge die Schaffung eines neuen Spitzenpostens zur Kontrolle aller Geheimdienste empfehlen. Nach Informationen der Zeitung soll der künftige Geheimdienst-Direktor mit Kabinettsrang ausgestattet sein und über sämtliche militärische und alle anderen Nachrichtendienste die Kontrolle haben. Die Funktion des bisherigen CIA-Chefs solle hingegen eingeschränkt werden.

Die "New York Times" berief sich in ihrem Bericht auf informierte Kreise. Der Abschlussbericht der Expertenkommission soll in der kommenden Woche veröffentlicht werden. Die Empfehlung zur Einrichtung eines Spitzen-Kontrolleurs für sämtliche Geheim- und Sicherheitsdienste sei dabei einer der Kernpunkte. Widerstand des US-Geheimdienstes CIA sei zu erwarten, aber auch aus dem Pentagon könnte Widerspruch kommen. Das Pentagon verfügt ebenfalls über Sicherheitsdienste.

FBI führt Interviews mit Moslems

Die US-Bundespolizei FBI, für die die Experten ebenfalls eine Umstrukturierung vorschlagen, führt nach Informationen der "Washington Post" zur Zeit gezielt so genannte freiwillige Gespräche mit Moslems und Bürgern arabischer Abstammung durch. Ziel der Kampagne sei es, in den Besitz von Informationen zu kommen, die geeignet sein könnten, einen eventuellen Anschlag islamistischer Extremisten im Wahljahr zu verhindern.

Die Interviews konzentrierten sich auf Washington, es fänden aber auch landesweit derartige Gespräche statt. In nächster Zeit würden die Fahnder ihre Kontakte noch ausweiten, berichtete die "Post". Im Unterschied zu einer ähnlichen Aktion in Folge der Anschläge vom 11. September gingen die Fahnder diesmal noch gezielter vor. Unter Berufung auf einen nicht namentlich genannten FBI-Vertreter berichtete das Blatt, der Personenkreis - örtliche Vertreter von Glaubensgemeinschaften, Studenten, Geschäftsleute und andere - würden streng nach geheimdienstlichen Erkenntnissen ausgewählt.

Bei den Anschlägen am 11. September 2001 waren mindestens 3.000 Menschen getötet worden. Die Experten- Kommission war eingesetzt worden, um Ermittlungsfehlern auf die Spur zu kommen, die dazu geführt haben, dass die Anschlagspläne der El Kaida nicht rechtzeitig aufgedeckt wurden. (APA/Reuters)

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