Gazastreifen: Vier Franzosen und zwei Palästinenser wieder frei

18. Juli 2004, 17:23
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Entführter palästinensischer Offizier war von Untergebenen gefangen genommen worden

Gaza - Im Gaza-Streifen sind nach Angaben militanter Palästinenser und französischer Diplomaten am Samstag auch die verbliebenen zwei entführten Franzosen frei gelassen worden. Augenzeugen hatten zuvor bereits von der Freilassung zweier Französinnen berichtet.

Nachdem sich Palästinenser-Präsident Yassir Arafat, Vertreter der Vereinten Nationen (UN) sowie das französische Konsulat in Jerusalem eingeschaltet hätten, seien die Geiseln frei gelassen worden, sagte Abu Kusai, Anführer der militanten Gruppe, die am Vorabend vier Franzosen entführt hatte, der Nachrichtenagentur Reuters telefonisch. "Wir haben das Problem auf interne Weise gelöst, und auf dieser Basis haben wir die beiden verbliebenen Geiseln frei gelassen", sagte Kusai. Das französische Konsulat in Jerusalem bestätigte die Freilassung.

Mitarbeiter einer Hilfsorganisation

Bei den Franzosen handele es sich um Mitarbeiter einer Hilfsorganisation aus der französischen Stadt Evry, hieß es aus dem Konsulat. Die zwei Männer und zwei Frauen seien nach der vierstündigen Geiselnahme in guter Verfassung.

Bewaffnete hatten am Freitagabend ein Restaurant in der Stadt Chan Junis im Gaza-Streifen gestürmt, die vier französischen Zivilisten entführt und sie als Geiseln in einem nahe gelegenen Gebäude der Organisation Roter Halbmond gehalten. Das Gebäude wurde von Dutzenden palästinensischer Sicherheitskräfte umstellt.

Ranghohe Palästinenser entführt

Es war die dritte Entführung durch Militante im Gaza-Streifen in weniger als einem Tag. Unmittelbar zuvor waren bereits zwei ranghohe palästinensische Sicherheitsbeamte im Gazastreifen gekidnappt worden. Bewaffnete Palästinenser brachten zunächst den Polizeichef für das Westjordanland und den Gazastreifen in ihre Gewalt. Wenige Stunden später wurde Ghazi Jalabi wieder freigelassen. Am Abend wurde dann Oberst Khaled Abu Alula, der Leiter der militärischen Koordination im Süden des Gazastreifens, aus seinem Auto heraus entführt.

Er wurde am Samstag wieder freigelassen. Untergebene hatten den Offizier in der Ortschaft Khan Junis entführt, um damit gegen ihre Entlassung zu protestieren.

Autonomiebehörde erreichte Freilassung

Vertreter der palästinensischen Autonomiebehörde von Präsident Yassir Arafat erklärten, sie hätten Jabalis Freilassung in Verhandlungen erreicht. Einzelheiten wurden nicht bekannt, am Samstag gab Arafat jedoch die Entlassung Jalabis bekannt.

Augenzeugen berichteten, die Täter hätten den Wagen Jabalis fünf Kilometer südlich der Stadt Gaza angegriffen und sich einen Schusswechsel mit seinen Leibwächtern geliefert. Dann hätten die Angreifer die Scheiben des Wagens zerschlagen und den Polizeichef verschleppt.

Jabali sei ins Flüchtlingslager El Boureij in der Mitte des Gazastreifens gebracht worden, sagten Anwohner des Lagers. Bei den Geiselnehmern handele es sich um Extremisten des Komitees des palästinensischen Volkswiderstandes. Nach einem Bericht des israelischen Rundfunks wurde Jabali entführt, weil er sich weigerte, Palästinenser aus dem Lager El Boureij in die Polizeitruppe aufzunehmen.

Machtkämpfe

Die Entführung Jabalis könnte indessen Teil eines Machtkampfes unter diversen palästinensischen Gruppen gewesen sein, die vor dem geplanten israelischen Rückzug aus dem Gazastreifen um ihren Einfluss kämpfen. Schon im April war der Polizeichef Ziel eines Anschlages, bei dem Unbekannte eine Bombe an seiner Haustür befestigten. Er blieb jedoch unversehrt.

Viele Feinde

Jabali gilt als Mann Arafats, der dessen Befehle ausführt und gegen Abweichler vorgeht. Der Polizeichef hat sich unter den Palästinensern viele Feinde geschaffen. Er gilt als korrupt, hat sich aber zugleich einen Namen für eine straffe Führung gemacht.

Die Vorfälle sind die deutlichste Herausforderung an Arafats Autorität über die Region, aus der sich die israelische Besatzungsmacht nach Regierungsplänen demnächst zurückziehen will. Israel wirft Arafat seit langem vor, sich nicht gegen gewalttätige Gruppen unter den Palästinensern durchzusetzen, und dies besonders im Gaza-Streifen. (APA/AP/AFP/dpa)

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    Die beiden französischen Frauen wurden noch in der Nacht freigelassen, kurz darauf auch die beiden Männer.

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    Die Freigelassenen sind in guter Verfassung.

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