Graz: Falscher Brief vom Bürgermeister zur Eindämmung der Punkzuwanderung

19. Juli 2004, 09:54
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Warnung vor Punks die als "normale Gäste getarnt" in die Stadt reisen - Erheiterung und Verwirrung um gefälschte Schriftstücke

Graz - Zwei Briefe - der eine an Grazer Bürger, der andere an Hoteliers - sorgen derzeit in der steirischen Landeshauptstadt für Aufregung. Im einen Schreiben werden Bewohner von der Bundespolizei dazu aufgefordert, Fotos und alle Daten von sämtlichen Bewohnern ihres Hauses zur Polizei zu bringen. Der angebliche Grund: Einige Straßenzüge sollen künftig videoüberwacht werden, die Fotos seien zur Identifizierung nötig.

Punks als Gäste getarnt

Der andere Brief enthält die Bitte des Grazer Bürgermeisters Siegfried Nagl an Betreiber von Jugendherbergen und Hotels, "bei der Eindämmung der Punkzuwanderung nach Graz" aktiv mitzuhelfen. Denn, so heißt es weiter, es sei damit zu rechnen, dass immer mehr Punks als "normale Gäste getarnt" in die Stadt reisen, weswegen Gewerbetreibende der Tourismusbranche Kopien der Reisedokumente ihrer Gäste dem Bürgermeisteramt übermitteln sollten.

Fingierte Briefe

Beide Briefe sind natürlich fingiert und die Fortsetzung einer Reihe gefälschter Briefe von diversen Ämtern, die seit 1997 immer wieder in Graz auftauchen. Nicht immer erkennen die Empfänger aber die Fälschung, was bei der Polizei und im Rathaus die Telefone heißlaufen ließ.

VP-Bürgermeister Nagl distanzierte sich mittlerweile per Aussendung vom Punker-Brief. "Der Inhalt ist frei erfunden und entspricht nicht der Wahrheit", heißt es im echten Schreiben des Bürgermeisters. Nagl hatte vor wenigen Wochen versucht, das "Problem" der am Hauptplatz herumsitzenden Punks mit der Installation von Kirschlorbeer-Bäumchen zu bekämpfen - DER STANDARD berichtete. In dichten Reihen stehen die Topfpflanzen nun um die Statue des Erzherzogs Johann, damit zu seinen Füßen, wo sich auch "echte" Touristen gerne ausruhten, niemand mehr Platz nehmen kann.

Der Wermutstropfen für Hoteliers an der Brief-Aktion: Auch eine im Scherzbrief erwähnte "Ausgleichszahlung" für ihre hilfsbereite Kooperation ist das Papier nicht wert, auf dem sie versprochen wurde. (cms, DER STANDARD Printausgabe 17/18.7.2004)

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