Auch MAN will längere Arbeitszeit ohne Lohnausgleich durchsetzen

28. Juli 2004, 13:03
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Proteste bei DaimlerChrysler - Deutscher Kanzler ruft zu Mäßigung auf

Nach den Massendemonstrationen bei DaimlerChrysler gewinnt die Debatte über Arbeitszeitverlängerung in Deutschland noch mehr Schärfe: Auch MAN will seine Mitarbeiter 40 Stunden lang arbeiten lassen, die IG-Metall kündigt Widerstand an. MAN-Chef Rudolf Rupprecht will ab September längere Arbeitszeiten ohne Lohnausgleich: "Wenn sich jetzt die 40-Stunden-Woche langsam wieder durchsetzt, wollen wir lieber vorn dabei sein als hinterherzulaufen."

Siemens hatte nach Verhandlungen mit der IG-Metall eine 40-Stunden-Woche ohne Lohnausgleich für zwei Betriebe durchgesetzt, nachdem die Konzernleitung zuvor mit der Jobverlagerung nach Ungarn gedroht hatte.

Verhandlungen laufen

An den MAN-Standorten Augsburg und Offenbach verhandelt die Betriebsführung derzeit mit der IG-Metall. "Ob eine Einigung zustande kommt, hängt vor allem von den Gewerkschaften ab", sagte Rupprecht. Die IG-Metall will längere Arbeitszeiten ohne Lohnausgleich beim Nutzfahrzeug- und Maschinenbaukonzern MAN jedoch verhindern. "Das schließe ich aus", sagte Bayerns IG-Metall-Chef Werner Neugebauer.

Die Proteste bei DaimlerChrysler gingen auch am Freitag weiter: Nach Gewerkschaftsangaben legte im Werk Untertürkheim die komplette Nachtschicht mit 2500 Mitarbeitern ab 3.30 Uhr die Arbeit nieder. Am Vortag hatten sich laut Gewerkschaftsangaben 60.000 Mitarbeiter an Protestkundgebungen beteiligt. Am Wochenende soll eine weitere Schicht ausfallen und rund tausend Autos nicht produziert werden.

Das Management von DaimlerChrysler will im Mercedes-Werk in Sindelfingen mit längeren Arbeitszeiten und gekappten Zuschlägen bis 2007 die Personalkosten um jährlich 500 Millionen Euro senken. Sind die Mitarbeiter nicht kompromissbereit, soll die Produktion der neuen C-Klasse ab 2007 nach Bremen und Südafrika verlagert werden und 6000 Stellen in Sindelfingen abgebaut werden. "Das ist der Versuch einer knallharten Erpressung", so Betriebsratschef Erich Klemm.

Schröder ruft zur Mäßigung auf

Die heftigen Auseinandersetzungen um Arbeitszeitverlängerungen riefen auch Bundeskanzler Gerhard Schröder auf den Plan, der zur Mäßigung aufrief: "Wer in dieser Frage ideologische Gräben aushebt, verunsichert die Menschen und schadet damit der Volkswirtschaft", sagte Schröder in einem Interview mit der Financial Times Deutschland. Schröder wies darauf hin, dass die IG-Metall im jüngsten Tarifvertrag weit reichende Öffnungsklauseln vereinbart habe.

Der SPD-Politiker sprach sich für eine flexiblere Gestaltung der Wochenarbeitszeit aus, bezeichnete aber eine Fixierung auf bestimmte Stundenzahlen als falschen Weg. "Das ist vielfach Ideologie", sagte Schröder. (Alexandra Föderl-Schmid aus Berlin, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 17./18.7.2004)

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