Den Ort zur Bühne machen

28. Juli 2004, 13:08
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Mit Stars wie Sting einen Gästeansturm auslösen

In dem Tiroler Dorf Ischgl im Paznaun reihen sich Nachtklubs, Discos und Bars dicht an dicht und sorgen für heißes Nachtleben. Zumindest in der kalten Saison hat der Ort vorgemacht, wie man den Schnee zum Beben und Kassen zum Klingeln bringt.

136 Euro pro Tag

Wenn Elton John oder Tina Turner beim Konzert "Top of the Mountains" auftreten, lösen an die 16.000 Menschen ein Ticket auf die Idalp in 2400 Meter Höhe, genießen das Konzert und sind auch sonst spendabel: Gibt ein Urlaubsgast in Österreich im Schnitt 104 Euro pro Tag aus, so lässt sich ein Ischglbesucher den Tag 136 Euro kosten. Logisch, dass die Hoteliers, die immerhin 10.000 Betten voll kriegen müssen, das Konzept aus Lifestyle & Action auch in den Sommer transferieren möchten. Das ist aber nicht so einfach, sagt der Vorstand der Silvretta Seilbahn AG, Hannes Parth.

Die Gäste, die im Winter das Ischgler Image prägen, sind im Sommer am Meer. 1,22 Millionen Übernachtungen im Winter stehen 132.000 im Sommer gegenüber. Trotzdem steht da auf der Habenseite Ischgl als starke Marke, erklärt der Geschäftsführer vom Tourismusverband, Andreas Steibl: das Wissen bei potenziellen Gästen, dass immer was los ist, dass sich Event an Event reiht.

Ischgl als Bühne

Die Tourismusverantwortlichen sehen dabei Ischgl als Bühne. Sei es oben am Berg, sei es unten im Tal, wo künftig auch Großveranstaltungen angeboten werden. Hilfreich ist dabei, dass die Ischgler einen potenten Financier haben. Die Silvretta Seilbahn AG, im Besitz der Hoteliers der Region selbst, kommt für die Events auf. Dazu wurden in den letzten Jahren keine Gewinne aus der AG entnommen. Trotzdem rechnen sich die Veranstaltungen aufgrund der hohen Honorarforderungen der Stars "nur über die Umwegrentabilität", erklärt Steibl.

Doch steht die nächste Idee bereits vor der Tür: Um mit den Veranstaltungen eine noch größere Breitenwirkung zu erzielen, sind die Ischgler mit privaten deutschen Fernsehanstalten in Verhandlung - zwecks Ausstrahlung der Konzerte. "Wir werden das Material unentgeltlich senden lassen", sagt Steibl. (Johanna Ruzicka, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 17./18.7.2004)

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