"Messenger"-Mission fliegt zum Merkur

23. Juli 2004, 11:34
posten

Erst die zweite jemals unternommene Mission zum innersten Planeten - Wissenschafter erhoffen sich genauere Daten über seine Zusammensetzung

Washington - Countdown für die Sonde "Messenger": Erstmals seit 1974 will die Nasa den Merkur erkunden. Das Raumfahrzeug soll am zweiten August um 8.16 Uhr mitteleuropäischer Zeit mithilfe einer Delta-Rakete von Cape Canaveral aus in Florida starten. Im Jahr 2011 soll es in eine einjährige Umlaufbahn um Merkur eintreten.

Merkur ist nicht nur der innerste, sondern auch der schnellste Planet des Sonnensystems. Er umrundet die Sonne in drei Monaten. Die Griechen assoziierten ihn daher mit dem flinken Götterboten Hermes - bei den Römern Merkur. Er ist nach Pluto der zweitkleinste Planet.

Wegen seiner großen Sonnennähe kann Merkur mit Teleskopen von der Erde aus nur schwer beobachtet werden: Er ist nämlich praktisch nur in der Abenddämmerung oder kurz vor Sonnenaufgang sichtbar - wenn er seinen größten Winkelabstand von der Sonne erreicht. Die erste Reise zu dem der Sonne am nächsten stehenden Planet unternahm die Nasa-Sonde "Mariner 10" im Jahr 1974. Sie lieferte 2300 Aufnahmen, die eine Landschaft enthüllten, die mit ihren Kratern und lavaüberfluteten Ebenen der Mondlandschaft ähnelt. Obwohl "Mariner 10" mit 2300 Bildern nur die Hälfte des Planeten kartografieren konnte, hat ihn seither nie wieder ein Raumschiff besucht.

"Messenger" (übersetzt: Bote) wird somit der zweite irdische Besucher beim Merkur sein. Nach den Hoffnungen der Nasa soll er erstmals Bilder des gesamten Planeten und detaillierte Daten über dessen Zusammensetzung liefern. Warum besteht Merkur zu 65 Prozent aus Eisen? Und warum verfügt er - außer der Erde - als einziger innerer Planet über ein globales Magnetfeld? Die Wissenschafter gehen davon aus, dass das Erdmagnetfeld durch die Bewegung des glühenden Erdinneren verursacht wird. Doch Merkur ist mit 4878 Kilometer Durchmesser so viel kleiner als die Erde (12.756 Kilometer), dass der Kern schon längst hätte abkühlen müssen.

Eis in Kratern

Auch auf die Frage, wie es in dieser Nähe zur Sonne möglich sein kann, dass es gefrorenes Wasser in Kratern in der Nähe der Pole gibt, soll beantwortet werden. Denn die Temperaturen werden allein vom Sonnenstand bestimmt. Bei Nacht kann es daher Minus 150 Grad, bei Tag jedoch 450 Grad Celsius haben.

Die mit Solarkraft angetriebene Sonde wird eine rund 7,9 Milliarden Kilometer lange Reise zurücklegen und dabei 15-mal um die Sonne fliegen. Ein Jahr nach dem Start kommt das Raumfahrzeug an der Erde vorbei, dann 2006 und 2007 an der Venus und 2008 und 2009 insgesamt dreimal am Merkur. Mithilfe der Anziehungskraft der Planeten soll "Messenger" in die Umlaufbahn um Merkur gelenkt werden. Die Geräte werden hinter einem Hitzeschutzschild arbeiten, daher bei Raumtemperatur betrieben werden können. Die Kosten für die Mission beziffert die Nasa mit 206 Millionen Euro.

Ein anderer Satellit der Nasa befindet sich seit Donnerstag auf der Reise - allerdings weniger weit. Die "Aura"-Sonde soll sechs Jahre lang die Zusammenhänge zwischen der Zerstörung der Ozonschicht durch Schadstoffe und Klimaveränderungen in der Erdatmosphäre untersuchen. Viermal hatte der Start wegen technischer Probleme verschoben werden müssen. (east/DER STANDARD, Print-Ausgabe, 17./18 7. 2004)

  • Artikelbild
    illustration: nasa
Share if you care.