Hoffnungen und Alpenglühen

21. Juli 2004, 14:44
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Tennis in Kitzbühel: Melzer und Koubek rechnen sich Chancen aus

Kitzbühel/Wien - Es wird sein wie immer. Volles VIP-Zelt, Gaudi bis hin zum Alpenglühen, lange Nächte, kurze Tage und ein recht verlassenes Stadion. In Kitzbühel pflegt der Kunde maximal ein bisserl Tennis zu schauen, es ist ihm prinzipiell egal, ob drunten am Stadtrand eines der 20 größten Turniere stattfindet.

Die mit 800.000 Euro dotierten Generali Open werden von den Spielern regelmäßig zum schönsten Ereignis auf der gesamten Tour gewählt. Wegen der Berge, der guten Luft, wegen des Casinos, der Lokale, des Siegerschecks (137.100 Euro) und überhaupt. Die Besetzung ist trotz der enormen Beliebtheit selten exklusiv, das liegt auch am Termin, die Elite schielt Ende Juli erstmals nach Athen (Olympia) und stets nach Amerika (US Open), dort wird auf Hartplatz gespielt, da kann der Tiroler Sand baden gehen. Ab Montag wird das Feld von Rainer Schüttler angeführt, er soll die deutschen Urlauber fesseln. Ihm folgen French-Open-Sieger Gaston Gaudio und der Chilene Nicolas Massu.

Wild Cards für Österreicher

Was man dem Tennisclub nicht vorwerfen kann, ist eine Abneigung österreichischen Spielern gegenüber, Werner Eschauer, Jürgen Ager und Thomas Schiessling erhielten Wild Cards. Ager erbte jene des an der Wade verletzen Julian Knowle. Jürgen Melzer, Stefan Koubek und Alex Peya sind aus eigener Kraft dabei.

Sollte es so etwas wie österreichische Hoffnungen überhaupt geben, liegen diese auf Melzers und Koubeks Schultern. Melzer zählt erstmals zu den Gesetzten (13), hat ein Freilos. In Kitz vermochte er allerdings selten bis nie zu überzeugen. "Von den Ergebnissen her mag ich es nicht, anderseits gefällt es mir hier. Ich bin aber definitiv kein Top-Favorit." Sein Trainer Karl-Heinz Wetter nennt die Gründe: "Er kommt vom Rasen, die Umstellung ist groß, an die Höhenlage muss man sich erst gewöhnen." Diesmal sei die Vorbereitung aber ausreichend gewesen, Melzer scheiterte in Newport im Viertelfinale, konnte relativ früh heimfliegen. Die Saison ist laut Wetter bisher positiv verlaufen, Platz 60 in der Weltrangliste bedeutet lediglich einen Zwischenstand, "abgerechnet wird im Dezember." Die meisten Niederlagen wurden von echten Größen zugefügt, bei den French Open und in Wimbledon hieß der Täter Lleyton Hewitt. Melzer streitet ab, an einem Heimkomplex zu leiden, schließlich hat er heuer in St. Pölten das Halbfinale erreicht. "Den gab es nie, eine Erfindung der Medien." Der erste Turniersieg fehlt immer noch, Wetter und Melzer irritiert das kaum. "Das kann man nicht planen, das passiert."

Selbstfindung

Koubek hat sich in den vergangenen Wochen "kennen gelernt", immerhin hat er es geschafft, "aus einem negativen Erlebnis etwas Positives zu machen." In Wimbledon hatte er gegen Juan Carlos Ferrero zwei Matchbälle vergeben, eineinhalb Wochen später traf er in Gstaad erneut auf den Spanier und siegte glatt. "Damit war das erledigt." In Stuttgart kam er dieser Tage in die dritte Runde, scheiterte an Guillermo Canas. "Ich arbeite daran, meine Konstanz auszudehnen. Einen Satz oder ein Spiel lang bin ich fast brillant, dann kommt der Einbruch." 1999 war er im Halbfinale der Generali Open. "Ein Durchbruch ist heuer genauso möglich wie ein Einbruch. Das hängt von der Auslosung und von mir selbst ab."(Christian Hackl, DER STANDARD Printausgabe 17./18.06.2004)

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