
Udo Fischer 1993
Österreichs Kirche im Aufschwung? Der Traum wäre zu schön gewesen. Der Sex-Skandal im Priesterseminar St. Pölten hat uns auf den Boden der Wirklichkeit zurückgebracht und in Erinnerung gerufen, dass die römisch-katholische Kirche einer grundlegenden Reform bedarf. Und nicht nur eines guten Nachfolgers von Kardinal König.
Gelehrige Vatikan-Schüler
Österreichs Bischöfe haben sich zur jüngsten "Causa St. Pölten" kaum geäußert, obwohl sie allesamt aufschreien hätten müssen. Doch sie sind gelehrige Vatikan-Schüler. Sie wissen, wenn der Lieblingsjunge des Oberlehrers auch noch so ungut auffällt, muss man möglichst still halten. Sonst fühlt sich vielleicht der Chef gekränkt und unternimmt erst recht nichts . . .
Österreichs Bischöfe wissen um ihre Machtlosigkeit und wohl auch um die völlige Bedeutungslosigkeit dessen für Rom, was man hierzulande "Volk Gottes" nennt. Dieses darf einmal im Jahr das Budgetdefizit des "Heiligen Stuhls" abdecken, mehr nicht.
Die Kirche ist eine absolute Monarchie, in der offenbar die Faustregel gilt: Ein Laie darf gehorchen. Ein Pfarrer darf fast alles, wenn er Freund des Bischofs ist. Ein Bischof darf alles, wenn er vorgibt, dem Papst blind zu gehorchen. Der Papst darf sowieso alles. Kontrollinstanzen gibt es nicht. Wer an den Schalthebeln der Zentralmacht sitzt, nutzt dies weidlich aus. Die Kleinen können bestenfalls auf Gnade hoffen. Wäre Jesus nicht auferstanden, würde er sich im Grabe umdrehen.
Radio Vatikan
Pater Eberhard von Gemmingen, Leiter der deutschsprachigen Sektion von Radio Vatikan, sagte in einem Interview zum Sex-Skandal im Priesterseminar St. Pölten: "Es ist nicht Art des Vatikans, schnell zu reagieren!" Schnell? Bischof Kurt Krenn drangsaliert die Diözese St. Pölten seit 13 Jahren! Alle Beschwerden, Unterschriftenaktionen und Demonstrationen blieben erfolglos.
Der Vatikan-Journalist rät zu Geduld. Bei Groer warteten wir jahrelang, sinn- und zwecklos. Die Verantwortung damals wie jetzt bei Krenn trägt der Papst persönlich. Wer das Volk vollkommen gering schätzt und alle Macht - in der Ernennung, Kontrolle und Abberufung von Bischöfen - für sich allein beansprucht, trägt auch allein die Verantwortung.
Es reicht nicht, dass das Oberhaupt der Kirche von Land zu Land reist, um die Neuevangelisierung Europas zu predigen. Die Kirche selbst muss dieses Evangelium ernst nehmen. Sonst ähnelt er der untergegangenen Sowjetmacht. Dort war die Ideologie zuletzt auch nur noch die Basis des eigenen Machterhalts. Die hehren Ziele von der Gleichheit aller wurden lautstark verkündet, um die eigenen Throne zu sichern.
Kirche ist etwas anderes als der Vatikan
Zurück zur "Causa St. Pölten". Sollte Rom nicht handeln, wird dies wohl das Volk Gottes tun müssen. "Die Kirche ist etwas anderes als der Vatikan!", hat von Gemmingen im ORF-Interview gesagt. Eben. Die Kirche sind wir. Wir dürfen nicht tatenlos zusehen, wie die Gemeinschaft Jesu zerfetzt wird. Wie man die Gläubigen in die Irre und Trostlosigkeit führt und sie obendrein dem allgemeinen Spott aussetzt.
Im Matthäus-Evangelium rät Jesus, einen fehlenden Bruder unter vier Augen, dann unter Zeugen zurechtzuweisen. Hört er nicht, muss die Gemeinde handeln: "Hört er aber auf die Gemeinde nicht, dann sei er für dich wie ein Heide."
Die Gemeinde - in unserem Fall: die Diözese St. Pölten - darf Selbstvertrauen haben. Ihr wird dasselbe zugesprochen wie dem Petrus: "Alles, was ihr auf Erden binden werdet, wird auch im Himmel gebunden sein." (Mt 18,18)
Wenn der Petrus-Nachfolger nicht bereit ist, dem gepeinigten St. Pölten zu helfen, wird wohl die Diözese zusammentreten müssen, um das Problem zu bereinigen. Eine Versammlung von Priestern und Laien könnte dann Bischof Krenn "beurlauben". (Pater Udo Fischer, DER STANDARD Printausgabe 17/18.7.2004)
Pfarrer von Paudorf-Göttweig, im Februar 1998 von Bischof Kurt Krenn abgesetzt, auf Vorschlag von Abt Clemens Lashofer aber seit März 1998 wieder im Amt, ist Autor der beiden Bücher "Herr Bischof, es reicht!" (1993) und "Linker Jesus - rechte Kirche" (1994)".
wenn sonst nichts anderes mehr zieht, dann kommt "die kirche sind wir". "die kirche", also die gemeinde, kniet ja im haus der organisation und vor dem vertreter der organisation, der von oben herab "die kirche" belehrt und wiederum angestellter einer zweigstelle des vatikans ist. wenn die schäfchen so selbstständig ihren glauben leben könnten und wirklich nächstenliebend wären, dann würden sie bei keinem verein mitglied sein, der andere diskriminiert (homosexuelle, wiederverheiratete, frauen, jene, die sich für schwangerschaftsabbruch entscheiden). oder wollen sie vielleicht gar glauben, sie könnten als nichtstimmberechtigte gegen die macht des vatikans was ausrichten? wenn man sie nicht mehr finanziell unterstützt u. sich distanziert!
Rom (wer ist das eigentlich?), hat uns ja die Bischöfe Groer, Eder, Haas und Krenn eingebrockt. Wer oder was sollte sich da in Rom inzwischen geändert haben? Die Botschaft aus Rom lautet doch: Sünden werden begangen und vergeben, aber nur solange am rechten Glauben nicht gerüttelt wird. Und was der rechte Glaube ist, das bestimmt Rom.
da die mitglieder ja das gebäude, die kirche, selbst finanzieren, könnten sie es bestenfalls besetzen und sich holen, was ihnen gehört, den vatikan-angestellten, sprich priester, nicht mehr an die kanzel lassen und das ganze selbst verwalten. aber die riesige, mächtige und finanziell potente weltorganisation läßt sich nicht aus ihrem paradies vertreiben und daher auch nicht reformieren. die leben gut mit ihrem vermögen, wollen herrschen und niemanden in die karten schauen lassen, und denken nicht im traum daran, demokratische strukturen zuzulassen. es gehört ihnen der geldhahn abgedreht. sowohl die staatlichen subventionen als auch das automatische recht auf kirchensteuer. austreten ist die einzige lösung.
dem Autor dieser Schmierereien die angemessene Kirchenstrafe zu erteilen.
Da der Artikel stellenweise offen häretisch ist, kommt eigentlich nur eine Strafe infrage, die Exkommunikation.
Der halbkatholische Krenn ist sicher wieder zu feig dazu.
Zwei, die neue Messe lesen, hacken sich gegenseitig kein Aug' aus.
Wer neue Messe will, will auch all die sittlichen und doktrinellen Verfehlungen.
All die Kinderpornographie seit Erschaffung der Welt beleidigt Gott nicht so sehr, wie eine Handkommunion.
sondern er war gar nicht tot. er hat die kreuzigung überlebt und wurde danach lebend gesehen. um nicht wirklich getötet zu werden ist er dann ins Ausland geflüchtet.
die spätere kirche hat die lebens- und leidensgeschichte von jesus hergenommen und umgedichtet und den menschen eingeredet sie würden den tod überleben....mit hilfe der "auferstehung" so wie jesus.
dh die jüdische lehre - warten auf messias und das ende der welt - wurde einfach weitergedacht - messias war schon da, warten ist auch nicht mehr notwendig. einzige Bedingung: Ihr alle gehorcht uns schon heute. Das war die Grundlage auf die sie ihre - in Folge - weltbeherrschende Stellung aufbauten.
aber ich glaube eher daran dass er eben ein revolutionär war, bzw. ein nationalistischer aufständler gegen die damalige besatzungsmacht rom.
und so wie bei vielen revolutionären wurde er eben später missbraucht, um ein neues herrschaftssystem zu legitimieren.
die idee von pater fischer, der den vatikan mit der sowjetunion und die katholische lehre mit dem kommunismus vergleicht, ist ja ganz gut: ursprüngliche idee der gleichheit wurde missbraucht zur absoluten macht einiger über die meisten.
(ist natürlich außerdem sehr schadenfroh, dem anti-kommunistischen wojtyla eine geistige nähe zu den sowjet-kommunisten zu assoziieren....)
Wieso ist er denn Pfarrer geworden (und geblieben)? Damit ist er ja selbst Vertreter des Systems, das er (zu Recht) als "absolute Monarchie" kritisiert. Und mit Jesus sollte er schon gar nicht daherkommen. Ein Blick in die Bibel beweist, was für ein Despot der war:
"Meine Feinde aber, die nicht haben wollten, daß ich König sei über sie, führt hierher und macht sie nieder vor meinen Augen!" (Lk 19, 27)
Manches System kann nur von innen veraendert werden; keinesfalls wird sich die roemisch-katholische Kirche von aussen dreinreden lassen. Pater Udo als Aussenstehender waere Krenn, dem Papst und dem restlichen "System" genauso wurscht wie jedes x-beliebige andere Kirchenmitglied auch, solange es nur seine Beitrage zahlt.
Sie haben völlig Recht. Ich hatte schlecht recherchiert und nur das Zitat gelesen, ohne den Gesamtzusammenhang zu beachten, in dem es angeführt ist. Allerdings steht (meinem Verständnis nach) in dem Gleichnis der König stellvertretend für Jesus. Womit die Aussage (der Sache nach) letztlich doch wieder ihm zuzurechenen ist.
(Bitte um neuerliche Korrektur wenn das nicht stimmt. Dann muss ich mir diesen abstrusen Bibeltext eingehender anschauen, auch wenn mich das überhaupt nicht interessiert. ;-) )
Ich warte immer noch auf eine Entschuldigung der österr. Bischofskonferenz oder einer anderen Leitstelle für die seinerzeitigen Vergehen des Kardinal Groer, auch wenn diese schon verjährt sind. Es ist zu befürchten , dass die jetzige Affäre genauso im unergründlichen Sand der Kirche verlaufen wird, auf welchen Jesus seinerzeit, wenn ers überhaupt tatsächlich so gewollt hat,wie es im Evangelium steht, sicherlich seine Kirche nicht gegründet hat.
ich befürworte den satz:
' Wäre Jesus nicht auferstanden, würde er sich im Grabe umdrehen.'
ich als exil österreicher hier im houston wurde auch katholisch erzog...aehhhm gezwungen in die kriche zu gehen...ich finds gar ned mal schlecht dass die daham für skandale in der ÖFFENTLCIHKEIT sorgen, damit auch der rest unsres heimatländle sigt, wie es wriklich ausschauen tut in der 'absoluten monarchie'...schöner artikel ;)
Die gesamte Katholische Kirche gehoert ersatzlos abgeschafft. Es handelt sich dabei naemlich im Prinzip um organisierte Kriminalitaet. Kinder werden seit Jahrzehnten (-hunderten?) missbraucht ohne das irgendwelche Strafprozesse stattfinden. Das es auch ehrlich gute Priester gibt die unter der korrupten Manager-clique leiden ist bedauerlich. Aber dumm ist die Kirche ja nicht, die wissen sich schon zu schuetzen. Wie kann man es sonst erklaeren das der Vatikan geschaft hat ein eigener 'Staat' ist, mit sitz in der UNO??? Was dort in den Kellern lagert sind Schriften die nie ans Tageslicht kommen duerfen. Und, man stelle sich vor, es kaeme eines Tages heraus das ein Papst sich an Kindern vergriffen haette? Undenkbar?
Die ganze katholische Kirche existiert nur mehr dank der Schwäche der kollektiven Wahrnehmung: Noch immer wird mit "Hochwürden", mit Talaren und Ritualen ein diffuses Gefühl des abgehobenen, vielleicht sogar heiligen verbunden.
Reduziert man diese Kirche auf die Fakten und vergisst die Verpackung und anerzogene Reflexe, dann bleibt ein gefährlich oft päderastischer, frauenfeindlicher und autoritärer Männerbund übrig.
Brutal gesagt, wir sind selber schuld, wenn wir an den Verein glauben. Mehr: thedeceit.com
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